1. Tag, Donnerstag, 04.11.2010

FLUG NACH KUBA

Gegend Mittag Flug mit Iberia über Madrid nach Havanna (Flugdauer ca. 14 Std.). Abends Ankunft, und schon am Flughafen begrüßen uns Salsaklänge und unser Marco Polo-Scout José. Noch fit für einen Cuba Libre? José hält auf jeden Fall ein paar Tipps für Unermüdliche bereit.

Willkommen in Havanna, meine Damen und Herren! Es ist jetzt kurz vor 23:00h (04:52h deutsche Zeit) und wir sitzen mittlerweile vollzählig im Bus. Die letzten fünf Mitstreiter sind soeben eingetroffen.

Zu der bisherigen Tour: Ich bin entspannt um 07:00h (deutsche Zeit) aufgestanden, da ich um 10:00h mit Anja am Flughafen verabredet war. Unter Einhaltung des akademischen Viertels war ich auch pünktlich um 10:10h dort, kurz vor Anja. Der Flug mit Iberia startet ab Terminal D. Für diejenigen, die den Flughafen München nicht kennen: Es sind schon Leute auf dem Weg zum Terminal D an Altersschwäche gestorben und wurden nie wieder gefunden. Der Check-In verläuft unproblematisch und auch die Kollegen von der Sicherheitskontrolle lassen mich heute in Ruhe. Irgendwann nach einer angenehm kurzen Wartezeit beginnt das Boarding und wir besteigen die Maschine nach Madrid.

In Madrid fällt mein erster Blick auf die Tafel der Transferflüge. Der Flug nach Havanna startet im Terminal U. Terminal U ist laut eines Wegweisers stramme 24 Minuten entfernt. Na toll. Es geht also durch endlose Korridore, mit der Rolltreppe eine Etage tiefer, dann wieder durch endlose Korridore, mit dem Aufzug eine Etage tiefer, um eine Ecke und rein in einen Shuttlezug. Nach etwa zehn Minuten Zugfahrt steigen wir aus und es geht durch endlose Korridore… (für den weiteren Verlauf: siehe oben, je nach Bedarf beliebig oft nacheinander zu lesen)… und nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen wir das Terminal U. Nachdem wir uns mit Schokoriegeln und Getränken eingedeckt haben, geht auch schon bald das Boarding los. Zwischendurch treffen wir noch auf die Frankfurter Fraktion, die ersten Mitstreiter haben wir also schon gesehen.

Das Flugzeug… ähmm… wie soll ich sagen? Ich versuche es mal diplomatisch: In den siebziger Jahren, zu der Zeit also, als das Flugzeug gebaut wurde, war das Modell bestimmt topmodern. Heute fallen die Sitzbezüge als altbacken auf, die Inneneinrichtung klappert während des gesamten Fluges monoton vor sich hin, das Entertainment-Programm fällt aus wegen nicht vorhandenen Equipments. Aber wofür braucht man die neuesten Kinofilme, wenn sich die Airline schon die Mühe gemacht hat, einen Sampler zusammenzustellen, der ausschließlich aus Liedern à la Richard Clayderman und André Rieu besteht und wie eine Mischung aus Zahnarztpraxis- und Fahrstuhlmusik daherplätschert.

Der Flug verläuft daher unspektakulär und vor allem ereignislos, zumindest bis zu dem Zeitpunkt, an dem sich eine nicht unerhebliche Menge an Passagieren als absolute Proleten outen, denn die höchste Stufe auf der Peinlichkeitsskala ist erreicht, als diese nach der Landung applaudieren. Da ist dann wohl fremdschämen angesagt…

Nun sitzen wir also im Bus, der uns zum Hotel bringt. Ziel ist das Plaza Hotel am Parque Central, ein altehrwürdiger Bau vom Beginn des 20. Jahrhunderts. Mikkel (unser Scout) betont während der Fahrt diverse Male, dass es sich um ein sozialistisches Bauwerk mit dementsprechendem Standard bzw. Komfort handelt, was mich dazu veranlasst, das schlimmste zu befürchten, vor allem, weil Mikkel uns regelmäßig auf den Lebensstandard und die Genügsamkeit der Kubaner aufmerksam macht.

Als ich mein Hotelzimmer betrete, bin ich mit der Gesamtsituation überfordert: Es ist ein cirka 15 Quadratmeter großer Raum, der aufgrund seiner Deckenhöhe von 3,5 bis 4 Metern wirklich beeindruckend ist. Und obwohl ich mittlerweile die Genügsamkeit der Kubaner bis ins Tiefste verinnerlicht habe, bin ich doch leicht schockiert, denn das Mobiliar beschränkt sich auf einen antiken Holztisch und vier Stühle. Abgesehen von diesem Inventar und einem Sideboard ist der Raum komplett leer. Ich frage mich schon, wie und vor allem wo ein Kubaner in einem solchen Zimmer übernachten würde (dabei vernachlässige ich das kleine und unbedeutende Detail, dass ein Kubaner niemals in einem solchen Raum übernachten würde, da eine einzige Nacht so viel kostet, wie ein Kubaner in einem halben Jahr verdient). Just in dem Moment fällt mein Blick auf eine Tür am linken Ende des Raumes. Dahinter verbirgt sich jedoch nur ein Kleiderschrank (ich hatte eigentlich mit einem Klappbett gerechnet). Ratlosigkeit macht sich breit, ich trete unbewusst einen Schritt zurück und befinde mich – in einem weiteren Raum, etwa 20 Quadratmeter groß mit Kingsize-Bett und angrenzendem Badezimmer. Das Einzelzimmer, das ich gebucht habe, entpuppt sich allen Ernstes als weitläufige Suite!

Noch völlig beeindruckt begebe ich mich in die Hotelbar, wo wir mit einigen Mojitos den Abend ausklingen lassen. Um 01:30h lösen wir die Runde auf, denn das Frühstück beginnt um 07:30h und wir müssen um 09:00h beim Scout antreten.

Als ich ins Zimmer komme, ist es unerträglich warm. Fenster aufmachen fällt aus wegen lauten Verkehrs auf der Straße, somit ist die Klimaanlage die einzig praktikable Lösung. Leider ist das Ding nicht nur laut, sondern auch unflexibel, denn es gibt nur zwei verschiedene Stufen, die man einstellen kann: (A) unerträglich kalt oder (B) aus. Ich entscheide mich für die Variante (A) „unerträglich kalt“, wohlwissend, dass sich das möglicherweise im weiteren Verlauf der Nacht rächen könnte.

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