14. Tag, Sonntag, 09.03.2014: WEERAWILA – UNAWATUNA – Zeit zum Relaxen

Immer an der Südküste entlang bringt uns der Bus in den kleinen Badeort Unawatuna. Am Nachmittag springen die meisten von uns in den Pool, während andere in einem der Travellercafés ihre neuesten Urlaubserlebnisse twittern.

Unser Nomadenleben geht weiter, wir packen erneut die Koffer: Der letzte Ortswechsel steht an. Den Yala-Nationalpark hinter uns lassend, kämpft sich der Bus tapfer an der Südküste entlang gen Unawatuna.

Ich schlage – wie immer – den Baedeker auf, suche Unawatuna und finde folgenden Text:
„Der schon seit den frühen 1970er-Jahren vor allem bei Rucksack- und Pauschaltouristen und zuvor schon bei holländischen Militärs und Kaufleuten überaus beliebte Strand von Unawatuna bezieht seine Popularität vor allem aus seiner Nähe zu der an historischen Sehenswürdigkeiten reichen Hafenstadt Galle.“

Es folgt eine Seite Beschreibung des Strandes von Unawatuna und dann noch einmal zweieinhalb Seiten Beschreibung der Strände in der Umgebung von Unawatuna.
Damit ist also schon mal klar, was wir hier kulturell in den nächsten Tagen machen werden, nämlich gar nichts. Um das guten Gewissens tun zu können, statten wir auf dem Weg noch dem bereits eben erwähnten Städtchen Galle einen Besuch ab.

Bereits der Name „Galle“ birgt ein kurioses Geheimnis:
„Galle“ stammt von „Gala“ ab, dem singhalesischen Wort für Berg, Fels oder Rastplatz. Die Holländer verwechselten Gala mit „Gallus“ (lateinisch für „Hahn“). Daher ist im Wappen der Holländisch-Ostindischen Kompanie der Hahn als Wappentier abgebildet.

Die Stadt hat eine lange und bewegte Geschichte hinter sich: Erstmals erwähnt wurde der Hafen der Stadt im 14. Jahrhundert und seither haben sich hier viele Nationen miteinander geprügelt: 1505 haben die Portugiesen die Stadt eingenommen und sind hier geblieben, bis 1640 die Holländer die Stadt eroberten. 1796 kamen dann die Briten vorbei, haben mal „Hallo“ gesagt und die Stadt von den Holländern kampflos übergeben bekommen. Dieser Einfluss verschiedener Kulturen lässt sich auch heute noch in Galle bewundern, insofern sage ich einfach mal „Danke“ an die Holländer, dass sie nicht die große Welle gemacht haben, als die Briten kamen.
Spaß beiseite: Es ist wirklich toll, wie gut die teilweise aus dem 18. Jahrhundert stammenden Gebäude noch erhalten sind. Andererseits wäre es auch gut, der Stadt mal ein paar Eimer Farbe zu spendieren, denn an vielen Ecken gäbe es durchaus Bedarf, mal den Pinsel zu schwingen.

Dass im Prinzip jede Nation, die mal hier vorbeigeschaut hat, direkt Besitzansprüche geltend gemacht hat, ist wohl für jeden leicht verständlich, der einmal auf der mächtigen Befestigungsanlage, die die Stadt umschließt, gestanden und aufs Meer hinausgeblickt hat. Es ist einfach fantastisch!

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Traurige Berühmtheit erlangt hat die Stadt, als am 26.12.2004 eine mächtige Welle die Stadt überflutete, wobei auf dem ein Stück landeinwärts gelegenen Busbahnhof innerhalb weniger Minuten mehr als eintausend Menschen ums Leben kamen. Die singhalesische Sprache kannte bis zu diesem Zeitpunkt kein Wort für „Tsunami“.
Heute ist davon nichts mehr zu sehen, außer einer Steintafel an der Fassade des Fischmarktes, auf der die Stadt der Firma BASF für die großzügige Spende von drei Millionen Rupien (entspricht etwa 17000 Euro) zum Neuaufbau des durch die Flutwelle zerstörten Gebäudes dankt.

Wir flanieren durch die Straßen, da aber Sonntag ist und die meisten Geschäfte daher geschlossen sind, verlegen wir den großen Shopping-Trip auf morgen.

DSCF6065Einige von uns schauen auf der Rückfahrt zum Hotel noch bei einer Schildkröten-Farm vorbei, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Eier am Strand aufzusammeln, auszubrüten und die geschlüpften Tiere nach ein paar Tagen ins Meer zu entlassen. Zweiter Schwerpunkt ist das Aufpäppeln schwacher und kranker Tiere. Der Eintritt kostet lächerliche 500 Rupien (also etwa 2,80 Euro) und ich hoffe, dass das Eintrittsgeld auch wirklich eins zu eins der Einrichtung zugutekommt. 2,80 Euro sind für uns nicht viel Geld, in Sri Lanka kann man damit aber schon viel bewegen.

Auch wenn wir alle gehofft hatten, diesen Moment zu weit wie möglich hinauszögern zu können – jetzt ist er gekommen. Wir nehmen Abschied von Viraj, der für einen Tag zu seiner Familie heimkehrt, bevor die nächste Reisegruppe auf ihn wartet.

DSCF6045An dieser Stelle möchte ich Viraj meinen Dank aussprechen. Er hat sich um alle unsere Sorgen und Nöte gekümmert, war rund um die Uhr für uns da, hat das Programm so geändert, dass er für uns alle das Meiste herausholen konnte, hat uns geduldig alles (wenn es sein musste auch zehnmal) erklärt – kurz gesagt: Das, was er für uns getan hat, geht weit über die normalen Aufgaben eines Reiseleiters hinaus. Dafür vielen Dank, Viraj!

Kaum hat er uns verlassen, irren wir unkoordiniert durch die Gegend, wie eine Tierherde, die ihren Anführer verloren hat. Für den Rest der Reise wird uns keiner sagen, dass wir uns mit Sonnenmilch einreiben und mit Mückenspray einsprühen sollen, ob wir lange „schulterbedeckende und kniebedeckende Anziehkleidung“ oder feste Schuhe brauchen werden.
Einen letzten Rat gibt er uns aber noch im Bus mit auf den Weg  – eine Warnung und eine Lebensweisheit, die speziell an die Mädels gerichtet ist:
Die Warnung: „Mit den Beachboys müsst ihr aufpassen, die wollen Euch Schmetterlinge zeigen.“ Briefmarkensammlungen sind in Sri Lanka wohl nicht so verbreitet wie bei uns früher…
Die Lebensweisheit: „Wenn es regnet und ich nicht nass werden möchte, muss ich eine Jacke anziehen.“
Ich lasse das jetzt mal unkommentiert im Raum stehen.
Die Mädels jedenfalls bekommen nun ihre wohlverdiente Revanche, nachdem die Männer ja bereits am achten Tag ihr Date mit den Wolkenmädchen hatte. Einige sind schon ganz wuschig und in froher Erwartung.
Diese wollen wir – ganz Gentleman-like – natürlich nicht enttäuschen, und so stürmen wir mit den Mädels am Abend die Strandbars von Unawatuna.

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