16.02.2008

I want to be a part of it, New York, New York

Um sechs Uhr, also nach realen zwei Stunden, aber gefühlten fünf Minuten Schlaf „klingelte mein Wecker“. Katharina hatte mir versprochen, mich zu wecken, und stand daher vor meiner Tür und klopfte mit einer Hartnäckigkeit, für die ich ihr echt dankbar bin. All meine Versuche, das Klopfen zu ignorieren (Katharina, bitte nicht persönlich nehmen 😉 ) halfen nichts, immerhin war für 6.45h das Taxi bestellt.

Ab dem Zeitpunkt hat der gesamte Zeitrahmen hervorragend funktioniert. Wir waren zwei Stunden vor Abflug am Flughafen, der Check-In verlief für amerikanische Verhältnisse einwandfrei: Immigration Officer Nr. 1 drückte mir eine Customs Declaration und einen Visumsantrag zum Ausfüllen in die Hand, schickte mich 20 Meter weiter den Gang runter, wo ein Tisch stand, an dem ich die Formulare in Ruhe ausfüllen konnte. Als ich das erledigt hatte (immerhin in einer rekordverdächtigen Zeit von 10 Minuten), durfte ich 20 Meter weiter den Gang runter gehen zum Immigration Officer Nr. 2, der sich die Formulare anschaute, mich anschaute, die Formulare anschaute, mich anschaute (und so weiter), dann kommentarlos die Formulare zerriss (dabei war ich so stolz, dass ich die richtig ausgefüllt hatte), nur um mir direkt im Anschluss zwei neue Formulare zu geben, mit dem Kommentar, der Immigration Officer Nr. 1 hätte mich wohl die falschen Formulare gegeben.

Merke: Formblatt 25f ist Voraussetzung für die Erlangung des grünen Passierscheins 38a. Erhalten Sie jedoch einen weißen Passierschein 17c, gehen Sie sofort ins Gefängnis. Gehen Sie dabei nicht über „Los“ und ziehen Sie keine 2000$ ein.

Für den Bruchteil einer Sekunde habe ich ja überlegt, einen blöden Spruch darüber zu bringen, die Grenzer mit Maschinengewehr haben mich dann jedoch non-verbal davon überzeugt, dem Grundsatz Dieter Nuhrs zu folgen: „Wenn man nichts zu sagen hat, einfach mal…“
Daher habe ich brav die Formulare neu ausgefüllt, meine Fingerabdrücke und ein Webcambild (minderer Qualität) abgeliefert (die Urinprobe durfte ich behalten), und das war es dann auch schon.

Nach der ersten Etappe (Halifax-Washington) war ich doch einigermaßen überrascht, dass ich mich nicht mehr um mein Gepäck kümmern musste, das haben die immerhin durchgecheckt bis nach New York. Dafür bekommt United Airlines von mir ein fettes „Respekt!“, jawohl. Die zweite Etappe (Washington-New York City) haben wir dann in dem wahrscheinlich schnuckeligsten Flieger aller Zeiten (quasi dem Smart unter den Flugzeugen) verlebt.
Wer mit dem Flieger an einem Flughafen (in unserem Fall Newark) ankommt, muss natürlich in irgendeiner Weise (Taxi, Bus, Bahn etc) vom Flughafen weg kommen.
An dieser Stelle betritt Schock Nr. 1 die Bühne: Vom Flughafen zu meiner Residenz in West End Manhattan hätte das Taxi $60 gekostet. Für Katharina wäre es wahrscheinlich doppelt so teuer geworden, da sie auf der anderen Seite von Manhattan (genauer gesagt: in Astoria) wohnt. Ach ja: Wir hätten uns übrigens kein Taxi teilen können/dürfen, weil die Taxen bei Bedarf zwar zwei Stopps in Manhattan machen, nicht jedoch einen Stopp in Manhattan und einen in Astoria.
Anstelle diese $60 den Taxifahrern in den Rachen zu werfen, habe ich dann beschlossen, mit Bus und Bahn nach Manhattan zu fahren. Und jetzt kommt’s: Für den Bus habe ich $25 bezahlt, da ist allerdings der Rückweg am Abreisetag schon inklusive. Der Bus hat mich bis zum Times Square gebracht, von wo ich mit der MTA (U-Bahn in New York) weitergefahren bin. Kostenpunkt: $24, allerdings für eine ganze Woche „Flatratefahren“. Rechnet man das zusammen, kommt auf: $25 (Bus) + $24 (MTA) = $49, also elf Dollar weniger als die Taxifahrt (nur Hinweg) gekostet hätte. Dafür haben wir nun zusätzlich die Rückfahrt schon bezahlt und das Wochenticket für die MTA. Mann, bin ich ein Fuchs, Respekt!!! 😉

Beflügelt von diesem Erfolg habe ich mich an die nächsten Projekte begeben:
(1) Einchecken im Hotel und
(2) anschließendes Erkunden der Stadt.

 

imperial_court_hotel_manhattan_new_york-mainZu (1): Das Zimmer habe ich (wie immer) last-minute (sprich gestern) gebucht, da ich bereits öfters die Erfahrung gemacht habe, dass man dann die besten Angebote bekommt (wegen stornierten Zimmern, die neu belegt werden müssen etc.). Der Buchung ging umfangreiche Internetrecherche voraus, da ich ja auch nicht das erstbeste Zimmer buchen wollte. Ich weiß nicht mehr genau warum, aber irgendwie haben mich die Bilder auf der Internetseite des  beeindruckt, zumal die Lobby so gar nicht aussieht wie die eines 2*-Hotels.

IMGA0223Erste Erkenntnis bei meinem Eintreffen: Das Foto ist nicht aus diesem Hotel. Ich meine, ich war schon im richtigen Hotel, nur die Lobby von dem Foto im Internet ist halt woanders.
Zweite Erkenntnis bei meinem Eintreffen: Als ich einchecken wollte, stand grade eine Familie an der Rezeption, die richtig (und ich meine WIRKLICH RICHTIG) wütend war und wild gestikulierend auf die Person hinter dem Tresen einredete. Dieser war das Ganze wohl ziemlich peinlich, und als dann auch noch laut vernehmbar etwas von „official complaint form“ gesagt wurde, war ihr wohl daran gelegen, sich aus der Affäre zu ziehen, indem sie mich zuerst einchecken ließ. Ich habe dann einfach mal gesagt, dass ich sehr viel Zeit hätte und das Schauspiel gerne länger genießen wolle. Gesagt, getan! Nach weiteren 15 Minuten hitziger Diskussion ist die Familie dann wutentbrannt abgezogen. Ich habe aber noch schnell nachgefragt, was denn das Problem gewesen sei. Die Antwort war: „There were no blankets available, and the heat did not work“. Ah ja, habe ich mir im Geiste notiert und mir vorgenommen, das gleich mal als Erstes zu checken.

IMGA0244Folgendes war passiert: Die Familie war aus Südeuropa (schätzungsweise Spanien), und Europäer erwarten wohl (aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen) Federbetten in Hotels. Selbst schuld, die gibt es nämlich an der Ostküste nicht. Somit hatte sich das Problem schon mal erledigt. Problem zwei, die nicht funktionierende Heizung, war durchaus berechtigt, denn meine funktionierte auch nicht, dafür aber die Klimaanlage. Das war toll, denn dadurch herrschte in meinem Zimmer eine Raumtemperatur von angenehmen 7°C. Traumhaft! Ich habe dann die junge Dame an der Rezeption darauf angesprochen und ihr gesagt, dass ich es begrüßen würde, wenn meine Heizung nach meiner Rückkehr aus der Stadt funktionieren würde. Schön blöd, dass ich das so gesagt habe, denn sie war da wohl ein wenig übermotiviert: Als ich eben wiederkam, lief die Heizung auf vollen Touren und ich habe nun angenehme 52°C.

IMGA0255Natürlich bin ich sofort zur Rezeption gelaufen und habe den Mann hinter dem Tresen darauf angesprochen und ihn gebeten, sich darum zu kümmern. Da sagt der doch allen Ernstes folgendes zu mir: „Wissen Sie, an der Heizung befindet sich so ein rundes Rädchen. Wenn Sie daran drehen, können Sie die Temperatur Ihren Wünschen anpassen.“ Alter Schwede, ich war kurz davor, an seinem Hals zu drehen, um die Temperatur seines Kopfes meinen Wünschen anzupassen! Natürlich weiß ich, wie man mittels eines Rädchens die Temperatur einer Heizung regelt. Allerdings hat irgendein Idiot vor schätzungsweise 15 Jahren (also kurz nachdem die Farbe der Heizung angefangen hat abzubröckeln), das Rädchen abgebrochen. Der Mann meinte darauf, er könne mir im Moment leider nicht helfen, da müsste ich auf den Techniker warten. Bis dahin solle ich doch die Klimaanlage auf Höchststufe laufen lassen und das Fenster aufmachen. Ah ja!
Kleiner Schritt zurück: Beim Einchecken hat mir die junge Dame eine Zimmerkarte gegeben. Die hat (natürlich auch) nicht funktionert; welch eine Überraschung! Als ich das reklamiert habe, hat sie mir als Entschädigung zwei (!!!) neue Zimmerkarten gegeben. „Was soll ich bitte mit ZWEI Zimmerkarten?“, habe ich sie gefragt. Sie guckt mich treudoof an, zuckt mit den Schultern und sagt, „weiß ich auch nicht“.
Fazit: das Personal ist absolut inkompetent, aber immerhin (bisher) sehr bemüht. Zur Feier des Tages habe ich mir vorgenommen, morgen eine der beiden Zimmerkarten zufällig im Central Park zu verlieren. Und wenn das nicht klappt, dann kann ich sie ja immer noch feierlich dort im See versenken; mir fällt da bestimmt etwas ein!

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