16. Tag, Dienstag, 11.03.2014: UNAWATUNA – COLOMBO – Wiederauferstandenes Galle

Noch einmal erwartet uns auf unserer Reise eine Portion Kultur: Im nahen Städtchen Galle begeben wir uns mit Tuk-Tuks auf Entdeckertour in die holländische Kolonialzeit und streifen über die lebhaften Märkte. Gayesh erinnert uns aber auch an den dunkelsten Tag der Geschichte Galles im Dezember 2004: „Die Stadt wurde damals besonders stark vom Tsunami getroffen, umso erstaunlicher ist es, wie lebendig und fröhlich sie heute wieder ist.“ Über die neue Autobahn geht es danach in die Hauptstadt Colombo und dann schnurstracks zum Flughafen. Abends Flug mit Qatar Airways nach Doha bzw. mit Turkish Airlines nach Istanbul.

Die Reisebeschreibung für den heutigen Tag lässt die Vermutung zu, dass wir noch richtig aktiv werden müssen. Müssen wir aber nicht, denn die Besichtigung Galles haben wir wie berichtet bereits Vorgestern erledigt, auch an den Punkt „Streifen über die lebhaften Märkte“ können wir einen Haken machen. Die Händler liegen wahrscheinlich seit unserer Invasion am gestrigen Tage sturzbetrunken in der Ecke der Dorfkneipe und feiern dort, dass sie mit uns ihren Jahresumsatz realisiert haben.

Der Tag beginnt also so, wie der letzte Tag geendet hat: Mit unkoordiniertem Herumliegen am Strand. Einige nutzen die letzten Stunden, um endlich einmal die Postkarten zu schreiben, die sie bereits in den ersten Tagen gekauft und seither völlig ignoriert haben. Aber ich sag mal: Besser spät als nie.
Nachdem ich mich ausgiebig über meine Mitreisenden und ihre Aufschieberitis lustig gemacht habe, verkrümel ich mich heimlich in mein Hotelzimmer und schreibe noch ein paar Postkarten.
In Anbetracht der Tatsache, dass das Porto für eine Karte per Luftpost fünfundzwanzig Rupien kostet, was nach aktuellem Wechselkurs etwas mehr als vierzehn Cent entspricht, gehe ich es nicht davon aus, dass die Karten jemals ankommen, aber so kann ich immerhin sagen: Der Wille war da.

Dann ist es soweit, wir müssen unsere Zimmer räumen. Der Concierge bringt meinen Koffer zum Bus, wo auch schon die Anderen mit ihren Koffern warten. So ungern ich den Gedanken zulassen möchte: unsere Zeit ist gekommen. In etwas mehr als neun Stunden werden wir das Flugzeug betreten und das Land verlassen. Wehmut macht sich breit und je mehr Zeilen ich hier tippe, desto bewusster wird es mir, dass eine grandiose Zeit zu Ende geht und ich mich nun von vielen netten Menschen trennen muss.

Am Flughafen tausche ich meine verbliebenen Rupien um, die Mädels schaffen es selbst dort noch, einen Laden zu finden, der ihnen für 2,80 Euro einen Kühlschrankmagneten als letztes Andenken an den Urlaub verkauft.

Gottseidank kann man im Flughafenrestaurant mit Dollar und Euro bezahlen, so ist dennoch für uns alle die Henkersmahlzeit gesichert.

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