17. Tag, Mittwoch, 12.03.2014: RÜCKFLUG NACH EUROPA

Nachts bzw. vormittags Weiterflug in die Heimat. Ankunft am Morgen, über Istanbul kommend am Vormittag.

Mitten in der Nacht kommen wir in Doha an, ich bin topfit, obwohl es nach meiner inneren Uhr mittlerweile halb vier morgens ist.

Bis hierher haben wir den Weg gemeinsam gemeistert, nun ist es an der Zeit Abschied zu nehmen. Wir trinken noch gemeinsam einen Kaffee (den ersten seit fast drei Wochen – wer mich kennt, weiß, was das bedeutet. Alleine deshalb schon werde ich diesen Moment niemals vergessen. Deshalb und aus einem anderen Grund).
Als wir zum Gate kommen, wo wir uns ein letztes Mal „Auf Wiedersehen“ sagen werden, steht dort die versammelte Mannschaft bereit und singt mir ein Geburtstagsständchen. Ich bin überwältigt und gleichzeitig unendlich dankbar. Das zeigt ein letztes Mal, mit was für tollen Menschen ich unterwegs sein durfte. Ich habe die Tränen in den Augen stehen und schiebe das auf die Überraschung des Liedes. Das ist gelogen, denn eigentlich schmerzt es mich, dass wir nun auseinandergehen, aber so ist es nicht ganz so peinlich.

Dann ist es soweit, wir werden aufgerufen. Das Boarding beginnt. Als ich auf meiner Bordkarte „Reihe 11“ lese, schwant mir nichts Gutes, und als ich sitze sind meine schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Vor mir sitzt ein Paar mit Kleinkind, nicht älter als ein Jahr. Hinter mir sitzt eine Mutter mit ihrem Kind, ich würde es auf drei bis vier Jahre schätzen. Was soll ich sagen? Kurz gefasst: Das Kind hinter mir schreit vom Einsteigen bis zum Start, dann übernimmt das Blag vor mir, das hält dann aber auch den gesamten Flug über durch. In dem kurzen Moment, wo es ruhig ist (wahrscheinlich muss es gerade Luft holen), beschließt die Frau, dass es wohl gewickelt werden muss, was darin resultiert, dass es schreit, als würde es gerade auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Obwohl ich zwei Paar Ohropax in und die Kopfhörer auf den Ohren habe und den Film auf voller Lautstärke laufen habe, ist es fast unerträglich laut.
An der Stelle frage ich mich, ob es unbedingt sein muss, dass drei Menschen knappe zweihundertfünfzig andere Menschen derartig terrorisieren müssen, oder ob man mit einem Kleinstkind nicht einfach mal zu Hause bleibt, statt ans andere Ende der Welt zu fliegen. Ist ja schließlich nicht so, als hätten sie sich das nicht ausgesucht.
Während ich so vor mich hin sinniere und im Geiste alle Möglichkeiten durchgehe, wie ich die drei vor mir umbringen könnte, landen wir auch schon. Ich bin wie gerädert und mit den Nerven am Ende.
Umso praktischer ist es da, dass die Schlange an der Passkontrolle ewig lang ist und ich so noch mehr Zeit habe, meinen Gedanken zu frönen. Wenigstens sind wir wieder in Deutschland, was spätestens an der Geschwindigkeit zu erkennen ist, mit der die Menschen an der Passkontrolle abgefertigt werden.
Dann bin ich auch schon dran. Die junge Dame am Schalter nimmt meinen Reisepass entgegen, scannt ihn ein, schaut den Pass erneut an, schaut mich an, ich bekomme Puls. Das gleiche Theater hatte ich doch schon bei der Einreise nach Sri Lanka, wo man mich fast nicht rein gelassen hätte, weil der Name im Pass nicht mit dem Namen auf dem Flugticket übereinstimmt. Ach ja: Flugticket. Das habe ich ihr ja gar nicht gegeben, also kann es daran schon mal nicht liegen.
Dann fragt sie mich nach meinem Führerschein, den ich ihr kommentarlos überreiche. Ich habe ja ein gewisses Talent dafür, Polizeibeamte in Situationen anzupöbeln, in denen man das besser sein lassen sollte. Insofern habe ich mich noch gut im Griff. Als sie dann noch meinen Personalausweis sehen möchte, traue ich mich doch ganz neutral nachzufragen, warum sie das sehen wolle. Sie antwortet, die Dokumente seien 2012 als gestohlen gemeldet worden.
Da fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Damals habe ich meine Geldbörse verloren und den Verlust bei der Polizei gemeldet. Als sie ein paar Tage später bei der Polizei abgegeben wurde, habe ich sie dort abgeholt, den Empfang quittiert und bin wieder gegangen. Dass ich zusätzlich dann noch die Verlustmeldung hätte zurücknehmen müssen, war  mir bis gerade nicht bekannt. Da hätte die Polizei ja auch mal selbst rauf kommen können, dass ich meine Dokumente wiedererlangt habe, zumal sie mir diese ja selbst übergeben hat. Normalerweise wäre das jetzt für mich wieder eine Steilvorlage, einen dummen Spruch loszulassen, aber als ich ihn schon auf der Zunge spüre, schlucke ich ihn herunter, nehme meine Dokumente in Empfang, wünsche der jungen Dame am Schalter noch einen schönen Tag und verlasse den Sicherheitsbereich.

Ich habe nun wieder deutschen Boden unter den Füßen, die Heimreise noch vor mir und eine Reise voller unvergesslicher Eindrücke hinter mir. Danke an alle, die diese Reise mit mir unternommen haben. Ihr habt mir eine großartige Zeit beschert!

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