3. Tag, Samstag, 06.11.2010

HAVANNA Rum und Salsa

Wer den freien Vormittag nicht in Eigenregie verbringt, kommt mit ins Rum-Museum. Anschließend ins Museo de la Revolución im früheren Präsidentenpalast.

Nachmittags geht’s zum Salsakurs. Der Schweiß der Leidenschaft perlt auf unserer Stirn, wenn wir zu Latino-Rhythmen die Hüften schwingen. Wir finden, dass unser Salsalehrer mindestens so gut wie der unvergessene Patrick Swayze ist – nur leider fehlt uns das Talent von Jennifer Grey. Macht nichts, Gelegenheit zum Üben gibt’s in den nächsten zwei Wochen mehr als genug: Denn Kuba ohne Salsa ist wie ein Fisch ohne Wasser.

Mikkel ist gnädig mit uns, daher treffen wir uns heute erst um 10.00h in der Lobby. Ich hätte zu dem Zeitpunkt noch nicht gedacht, dass ich so kurz vor dem Eintritt ins Paradies bin, doch ich werde eines Besseren belehrt: Um Punkt 11.00h betrete ich ein Rum-Museum, aber nicht irgendein Rum-Museum, sondern das legendäre „Havanna Club“-Haus. Wir bekommen eine Führung mit anschließender Verköstigung und so habe ich bereits um 11:30h den ersten Becher Rum am Hals. Das kann ja heute noch heiter werden!

Das Museo de la Revolución ist wegen Renovierung geschlossen, daher bringt Mikkel uns auf die Fortaleza de San Carlo de la Cabana, wo es einen kleinen unscheinbaren Tabakladen gibt. Dort treffen wir auf eine Legende, denn dort arbeitet der Mann, der bereits mit vier Rekorden im Guiness-Buch der Rekorde steht – alle für die längste Zigarre der Welt: eine misst knappe zwei Meter, eine liegt bei 12,5 Metern, die dritte ist zwanzig Meter lang und die längste hat beeindruckende 25 Meter.

Auf dem weitläufigen Gelände (natürlich ist es die größte Festung Lateinamerikas) steht auch das Haus, im dem Ernesto Che Guevara während seiner Zeit als Politiker Kubas gewohnt hat. Direkt neben dem Haus steht eine Christusstatue aus reinem Carrara-Marmor, die die Bucht überblickt und von praktisch jeder Stelle in Havanna zu sehen ist.

Nachdem ein Teil von uns gestern bereits dort war, fahren wir erneut zum Plaza de la Revolution. Dieser Platz wird beherrscht von einem 110 Meter hohen Obelisken (auf dem sich natürlich die höchste Aussichtsplattform Kubas befindet), davor eine Statue des Nationalhelden José Marti. Der Platz selbst ist nichts anderes als eine große Asphaltwüste, denn hier schwingt Castro im Laufe der Geschichte mehrmals große (und vor allem lange) Reden. Die längste Rede dauerte über sieben Stunden, bei der größten Versammlung waren etwa 1,5 Millionen Kubaner zugegen. (Böse Zungen sagen, dass Juanes, der Popsänger, es geschafft hat, bei einem Konzert etwa zwei Millionen Zuhörer zu haben. Natürlich wird das offiziell tot geschwiegen.)

Rund um den Platz sind in riesigen Plattenbauten die wichtigsten Ministerien angesiedelt, die Staatsbibliothek mit angeschlossenem Staatsarchiv (dessen Inhalt größtenteils unarchiviert gelagert wird, das heißt, kein Mensch weiß, was für Dokumente dort überhaupt liegen), sowie ein Regierungspalast, der auch als siebtes Haus Fidel Castros gilt.

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Exkurs Fidel Castro

Fidel Castro macht aus seinem Leben ein großes Geheimnis. Während die Deutschen wissen, wo der Bundespräsident wohnt, mit wem er verheiratet ist, wie viele Kinder er hat, so ist das den Kubanern in Bezug auf Fidel Castro unbekannt. Man weiß nur, dass er eine Tochter hat und zwei Söhne, von denen einer Arzt ist und eine kubanische Nationalmannschaft betreut. Der andere Sohn lebt in den USA, ich vermute, dass er dafür von Castro enterbt wurde. Ob es weitere Kinder gibt, ist nicht bekannt, seine Frau hat Castro dem Volk nie gezeigt. Auch der Aufenthaltsort ist unbekannt, man kennt zwar die Standorte von Castros Büros und Häusern, doch wo er gerade ist, ist ein Rätsel. Castro – ein wahrer Präsident des Volkes!

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Nachmittags haben wir die Gelegenheit, uns vor einem Haufen Kubanern und einer Handvoll Kubanerinnen gehörig zum Affen zu machen, denn der Salsakurs steht auf dem Programm. Zusammenfassend kann man sagen: Es war größtenteils grausam, mit einigen Momenten unerträglicher Qual, aber dafür dauerte es auch schön lange. Nein, mal im Ernst: Es hat massig Spaß gemacht, meine Partnerin ist äußerst geduldig, auch wenn ich keine Gelegenheit auslasse, sie zur Verzweiflung zu treiben. Irgendwann einigen uns darauf, dass ich gradlinig meinen Grundschritt durchziehe und sie den Rest erledigt. Ab diesem Zeitpunkt klappt es auch ganz gut, ich bin mit meiner Leistung höchstzufrieden.

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