3. Tag, Samstag 17.10.2009

BANGKOK  Leben am Fluss
„Zu Fuß geht es zum nahe gelegenen Palastbezirk: Marut [unser Scout] zeigt uns den Wat Phra Keo mit seinem Smaragdbuddha – für die meisten Thais der heiligste Platz auf Erden. Wir zünden Räucherstäbchen an – auf eine gute Reise! Per Langschwanzboot sehen wir uns die Klongs genauer an: Hier baden Kinder, und die Erwachsenen waschen ihre Wäsche, Frauen handeln von Booten aus mit Waren aller Art. Traditionelles Leben mitten in der modernen Megacity Bangkok. Am Abend dann gemeinsames Begrüßungsessen: Zitronengras, Chili und Fischsauce sorgen für kräftige Aromen!“

Ich persönlich finde, diese Beschreibung wird dem Tag nicht wirklich gerecht, daher im Folgenden meine persönliche Version:

Pünktlich um 7:00h klingelt das Telefon, der Weckruf-Service des Hotels funktioniert also einwandfrei. Abfahrt ist um 9.00h, direkt nach einem kleinen Frühstück (Thema Frühstück: Ich persönlich finde es ja einigermaßen pervers, den Tag bereits mit gebratenen Nudeln zu beginnen, die Sojasauce und das darin schwimmende Gemüse machen das nicht wirklich besser).
Das Klima ist unverändert höllisch: 34°C und 95% Luftfeuchte, bereits der Gang aus dem Hotel raubt den Atem (was allerdings nicht an der Schönheit des Stadtviertels liegt). Wir kämpfen uns also mutig durch zum Bahnhof – besser gesagt: wir lassen uns durchkämpfen, denn wir fahren mit dem Tuk-Tuk, einem dreirädrigen Motorradtaxi, dass normalerweise drei Personen befördern kann (wir bringen es dank ausgefeilter Falttechnik auf vier Personen). Der Fahrtwind macht die Tour erträglich, leider endet sie bereits nach gut 800m wieder. Wir steigen also um in den Skytrain, die S-Bahn von Bangkok, die über den Dächern der Stadt ihren Weg findet. Dass dieser gut klimatisiert ist, wirkt sich zwar positiv auf das Fahrerlebnis aus, macht es aber umso schwerer, sie am Ende wieder zu verlassen: Die schwüle Hitze Bangkoks hat uns wieder.

Der erste Programmpunkt ist die Fahrt mit dem Langschwanzboot durch die Kanäle von Bangkok, durch Gegenden, die einem normalen Touristen wohl auf ewig verschlossen bleiben: Einfache Holzverschläge, wahre Bruchbuden, total zusammengebrochene (Ex.)Wohnhäuser, schicke Luxusvillen – auf der Fahrt bekommen wir so ziemlich alles zu sehen und noch viel mehr geboten: Frauen kommen in Kanus an unser Boot herangepaddelt und versuchen uns den Schrott zu verkaufen, den man nicht einmal auf der Touristenmeile los wird. Später lassen wir uns von Fischen nass spritzen, die übereifrig um ins Wasser geworfene Brotkrumen kämpfen. In Legebatterien würde eine derartige „Einwohnerdichte“, wie sie hier zu beobachten war, unweigerlich zur unverzüglichen Schließung des Betriebes führen. Anders ausgedrückt: Obwohl wir uns in einem Boot auf einem Kanal befanden, war vom Wasser nicht mehr viel zu sehen.
Kinder winken uns freundlich zu, Erwachsene beobachten uns argwöhnig, als wir quasi durch ihr Wohnzimmer fahren. Die Fahrt endet am Fuße einer Tempelanlage, die wir uns im Anschluss anschauen. Es handelt sich um einen königlichen Tempel, derer es zwar viele gibt, der aber dennoch eine besondere Geschichte hat:

 

Exkurs Bangkok – Geschichte
Von 1438 bis 1767 war Ayutthaya die Hauptstadt Siams, wurde jedoch in diesem Jahr von den Burmesen buchstäblich dem Erdboden gleich gemacht. König Rama I. zog mit seinen Gefolgsleuten nach Thonburi und ließ sich dort nieder. An dieser Stelle wurde besagter Tempel gebaut, der den Namen Wat Arun trägt. Thonburi war somit nach Ayutthaya die dritte Hauptstadt Siams (Die erste war Sukhothai von 1238 bis 1438). Erst fünfzehn Jahre später, im Jahr 1782, beschloss Rama I., seinen Wohnsitz auf die andere Flussseite zu verlegen, da ihm dort angeblich die Aussicht besser gefiel. Somit wurde Bangkok die vierte Hauptstadt Siams.
„Bangkok“ heißt auf deutsch „Dorf der Oliven“, was ich persönlich erstaunlich finde, denn es gibt hier jede Menge Palmen, aber keine Olivenbäume.
Der offizielle Name von Bangkok lautet übrigens „Krungthep-mahanakhorn-bowornrattanakosin-mahintarayutthaya-mahandilokpop-noppharatchathani-burirom-udomratchaniwet-mahastan“.
An diesem Punkt stellt sich mir die Frage, warum dieser Name nicht offiziell verwendet wird bzw. warum man sich mit so etwas simplem wie „Bangkok“ zufrieden gibt. Hier einige meiner Thesen:
1.) Es gibt keine Visitenkarten im Format DIN A4 (die man wohl bräuchte, wollte man denn den Ortsnamen abdrucken).
2.) Die Antwort auf die Frage nach der Herkunft („ich komme aus Krungthep-[blablubb]-mahastan“) würde den Fragenden unweigerlich einschläfern.
3.) Weil man den Ortnamen als Autofahrer nicht komplett auf Verkehrsschildern lesen kann (es sei denn, man bringt das Fahrzeug zum Stillstand, aber wer macht das schon auf der Autobahn?)
4.) Weil es sich einfach sch$&%e anhört.

Vom Wat Arun machen wir uns per Tuk-Tuk auf zum Palastbezirk. Jetzt wird es richtig dekadent, denn die Königsfamilie verfügt hier über ein Areal von cirka 118.000 Quadratmeter, die Ausstattung ist vom Allerfeinsten: In der Sonne funkelt es von allen Seiten: die Dächer (und auch die Wände) sind mit Gold überzogen. Man zeigt halt, was man hat!
  
Da Bilder mehr sagen als Worte möchte ich auf das Fotoalbum verweisen, in dem einige Bilder aus dem Palastbezirk zu sehen sind. Ein Highlight des Palastbezirks ist der Wat Phra Keo, einer der (wie aus dem Reiseverlauf zu entnehmen) heiligsten Ort der Thais.
Es ist zwar verboten, den Smaragdbuddha zu fotografieren, dennoch konnte ich von außen durch das Fenster einen guten Blick erhaschen und dokumentieren. Für den Smaragdbuddha wurden Kleidungsstücke angefertigt, für jede Jahreszeit eine. Der Hinweis, dass diese aus purem Gold hergestellt sind, erübrigt sich wohl. Früher wurde der Smaragdbuddha im Rahmen einer Feierlichkeit durch den seine Majestät persönlich angekleidet, diese Aufgabe übernimmt heutzutage der Prinz.
Nur einige Meter weiter ist ein weiteres Highlight zu entdecken: Der Wat Po. Dieser Tempel beherbergt eine 45m lange und 15m hohe Statue, den liegenden Buddha. Leider ist das Gebäude kaum größer als die Statue, so dass ich kein Foto der ganzen Statue machen kann. Natürlich ist auch diese Statue komplett mit Gold überzogen… Komplett? Oha, welch ein Faux-Pas! Nein, nicht komplett: Die Fußsohlen sind mit Perlmutt verziert, hier sind symbolisch die 108 Zeichen eingearbeitet, an denen man einen Buddha, also einen Erleuchteten, erkennen kann.
Bei dieser Pracht passiert es leider, dass die weiteren 400 Buddha-Figuren im Palastbezirk ein wenig in den Hintergrund verschwinden.
Nach diesem Kulturprogramm stärken wir uns in einem unscheinbaren Restaurant am Straßenrand, dass erneut durch seine tolle Küche überzeugt. Die Kochkunst scheint den Thais in die Wiege gelegt.
Der offizielle Teil des Tages endet mit dem Willkommensdinner, nach welchem die Meisten aus der Gruppe sichtlich erschlagen auf ihren Zimmern verschwinden.

Und was mache ich gewöhnlich in so einer Situation? Durch einen Zufall finde ich in meinen Gepäck einen GPS-Empfänger, in Kombination mit dem Internet-Zugang ergibt sich folgende Abendgestaltung: Ich nehme einen Mitreisenden aus der Gruppe mit auf eine Caching-Tour. Es ist schließlich erst 23.00h, das Wetter ist nach wie vor gut (32°C, 95% Luftfeuchte).
Auf dem Programm stehen drei Caches. Der Rest ist relativ kurz erzählt: Dose Nummer 1 haben wir nicht gefunden, weil sie in einem Park liegt, der um diese Uhrzeit bereits geschlossen ist. Dose Nummer 2 ist reichlich zeitaufwändig, da der GPS-Empfänger nur die Entfernung in Luftlinie anzeigt. So werden 500m Distanz schnell zu einer Laufstrecke von mehreren Kilometern, denn es stellt sich heraus, dass viele Straßen unangekündigt in einer Sackgasse enden. Die Dose haben wir zwar gefunden (am Ende einer Straße), jedoch war das Zurücklegen nach dem Loggen nicht möglich, denn wie auf Kommando herrschte in dieser Sackgasse plötzlich ein reges Treiben. Die Dose habe ich daher mitnehmen müssen und werde sie später wieder dort verstecken.
Da das nun geschafft war: Auf zu Dose Nummer 3. Nach wenigen Metern bekomme ich von meinem Begleiter den Hinweis, dass er gerade einen Regentropfen abbekommen habe. Keine drei Minuten später öffnet der Himmel seine Schleusen und wir können uns gerade noch in eine überdachte Häuserecke retten. Hinter einer Regenabflussrinne stehend wähnen wir uns in Sicherheit. Dumm nur, dass Bangkoks Kanalisation für derartige Regenbrüche nicht ausgelegt ist, nach einigen Sekunden steht uns das Wasser bis zu den Knöcheln, weshalb wir uns vornehmen, schnell die 50m bis zur Hauptverkehrsstraße zu laufen, wo regelmäßig Taxen vorbeifahren. Nach exakt 5m sind wir nass bis auf die Knochen, dennoch erbarmt sich ein Taxifahrer uns mitzunehmen, zum Dank ruinieren wir ihm seine Ledersitze, denn das Wasser tropft an uns herunter. Im Hotel angekommen genehmigen wir uns noch zwei Drinks an der Bar und der Tag ist um 2:00h morgens beendet.

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