Begegnung der anderen Art, oder: Der Puls steigt wieder, oder einfach nur: E.ON, die x-te (Episode V)

Was seit dem letzten Ereignis geschah:

Wie Ihr Euch vermutlich erinnert, war ich in der ersten Hälfte des letzten Jahres sehr viel unterwegs. Konkret heißt das, dass ich im Januar in Hallbergmoos war. Anfang Februar hat mich mein damaliger Arbeitgeber für sechs Wochen nach Saarbrücken versetzt. Im März habe ich zur Abwechslung zwei Wochen in Hallbergmoos verbracht, bevor ich erneut nach Saarbrücken versetzt wurde. Nachdem ich dort zwei Wochen verbracht habe, habe ich meine Koffer gepackt und bin nach Augsburg gezogen, wo ich drei Tage verbrachte, bevor ich für zwei Monate nach Offenbach gezogen bin.

Meine Wohnung in Hallbergmoos habe ich zum 01.07 gekündigt, was ich auch an verschiedenen Stellen kundgetan habe: Die Gemeinde wurde von mir darüber in Kenntnis gesetzt, dass ich sie verlasse, und auch meine Lieblingsfirma habe ich postalisch darüber informiert, verbunden mit der Angabe meiner Bankverbindung und meiner neuen Adresse zwecks Zusendung der Jahresendabrechnung.

Im weiteren Verlauf des Jahres habe ich mich nicht mehr darum gekümmert, war ich mir doch sicher, am Ende des Jahres (bzw. im ersten Quartal des Folgejahres) Post zu bekommen. Und genau das ist dann auch eingetreten, und so halte ich Anfang März einen Brief in den Händen, der folgenden Text enthält (sinngemäß):

„Sehr geehrter Herr Wegmann,

trotz mehrfacher Mahnung unsererseits haben Sie nicht reagiert und Ihren Strom nicht bezahlt … *bla bla* … Wir werden daher am 19.03.2012 den Strom in Ihrer Wohnung vom Netzanbieter sperren lassen … *blubb* … Wichtig für Sie: Ermöglichen Sie dem Mitarbeiter den Zugang zu Ihrem Stromzähler, andernfalls werden wir dies gerichtlich anordnen lassen … *gähn*

Mit freundlichen Grüßen

Ihre E.ON Bayern Vertrieb GmbH“

 

Zunächst bin ich ratlos und weiß nicht, was ich tun soll. Doch dann – wie ein Lichtstrahl in der Dunkelheit – kommt mir eine Idee: Ich erinnere mich an die netten, hochkompetenten und vor allem außerordentlich hilfsbereiten Mitarbeiter der (sich selbst so nennenden) 0180er-„Service“-Hotline, die ich auch spontan anrufe.

Folgendes Gespräch entwickelt sich zwischen mir und einer netten, hochkompetenten und vor allem außerordentlich hilfsbereiten Mitarbeiterin, die ich der Einfachheit halber „Frau R.“ nennen werde:

Frau R.: „E.ON Bayern Vertriebs GmbH, mein Name ist Frau R., wie kann ich Ihnen weiterhelfen?“

In Gedanken spreche ich die Begrüßung schon mit, habe ich den Satz doch oft genug von verschiedenen Personen gehört.

Ich: “Guten Tag Frau R., sicherlich können Sie aus meinem Vertragskonto bereits ersehen, worum es geht. In der Wohnung in Hallbergmoos wird am kommenden Montag der Strom abgestellt und freundlicherweise hat E.ON mich darüber informiert. Ich finde, das ist eine stramme Leistung, immerhin hätte ich aufgrund meiner Kündigung erwartet, dass Sie mir bereits zum 01.07. des vergangenen Jahres den Strom abstellen.“

Ich könnte jetzt das komplette Gespräch schriftlich niederlegen, das erspare ich mir und Euch aber. Die Kurzversion lautet: E.ON bestreitet, mein Kündigungsschreiben bekommen zu haben, hat daher –nachdem ich wegen meines Auszugs die monatlichen Abschlagszahlungen eingestellt habe – munter Mahnungen an die Wohnung in Hallbergmoos geschickt. Auf meine Frage, was denn mit den Mahnungen passiert sei, sagt mir Frau R. allen Ernstes: „Die sind alle zurückgekommen, da der Empfänger unbekannt verzogen ist“. Ach nein, wirklich? Wie unfähig muss man eigentlich sein, dass man Monat für Monat Mahnungen verschickt, obwohl diese jedes Mal zurückkommen? Hätte E.ON da nicht vielleicht mal Kontakt zum Vermieter aufnehmen sollen, der meinen Auszug bestätigt hätte? Oder hätte man nicht vielleicht mal die Russen oder andere Institutionen mit schlagkräftigen Argumenten auf mich ansetzen können? Die hätten mich bestimmt gefunden und ich hätte Gelegenheit gehabt, zu den Mahnungen Stellung zu nehmen.

Ach ja, fast hätte ich es vergessen zu erwähnen: Natürlich ist Frau R. nicht in der Lage, mir weiterzuhelfen, da die Angelegenheit „bereits an den Netzbetreiber, die E.ON Netz AG übergeben“ worden sei, die die Sperrung des Stromanschlusses in den nächsten Tagen durchführen. Frau R. sagt aber, ich müsse dringend das Wohnungsübergabeprotokoll und den Mietvertrag des Nachmieters an die Faxnummer 06854-492209 (ich wiederhole zur Sicherheit laut die Nummer, Frau R. bestätigt die Richtigkeit) schicken, um das Abschalten des Stroms zu verhindern. Ich kann mir den bissigen Kommentar nicht verkneifen, dass E.ON meinetwegen gerne den Strom abstellen könne, das sei ja auch nur knapp ein Jahr zu spät. Frau R. merkt an, dass dann ja mein Nachmieter im Dunkeln sitze und reagiert mit Unverständnis, als ich sie darauf hinweise, dass mir das scheißegal ist.

Entschuldigung, aber wie kann denn jemand fast ein Jahr in einer Wohnung wohnen, ohne sich beim Energieversorger anzumelden? Da darf mir das ja wohl scheißegal sein!

Das Telefonat ist damit beendet, ich verabschiede mich von Frau R., wünsche Ihr noch einen schönen Tag und lege auf.

Die nächsten Tage benötige ich um mich abzureagieren. Das Fax geht am 19.03. um 10 Uhr raus, es sind sechs Seiten: Ein Anschreiben, das Übergabeprotokoll und der vierseitige Mietvertrag. Im Anschreiben stehen übrigens meine Telefonnummer und der Hinweis, dass sich E.ON schnellstmöglich mir in Verbindung setzen solle.

Sicherheitshalber rufe ich um 10:43 Uhr erneut die 0180er-„Service“-Hotline an, diesmal spreche ich mit dem netten, hochkompetenten und vor allem außerordentlich hilfsbereiten Mitarbeiter „Herr K.“. Ich schildere ihm in Kürze meinen Fall, er sagt, das von mir geschickte Fax sei noch nicht eingetroffen, ich solle das Wohnungsübergabeprotokoll und eine Kopie des Mietvertrages an die Faxnummer 06854-942209 senden, die der E.ON Netz AG gehöre. Merkt Ihr das gleiche wie ich? Genau, bis auf ein kleines Detail ist die Faxnummer identisch mit der Nummer, die mir Frau R. genannt hat. Das sage ich auch Herrn K. der folgendes dazu meint: Frau R. sei „da wohl ein Zahlendreher passiert“. Also schicke ich die Unterlagen auch noch an die Faxnummer des Herrn K., ich habe ja eh nichts Besseres zu tun, als 24 Stunden am Tag im Auftrag der E.ON unterwegs zu sein.

Interessant finde ich übrigens, dass man mir seitens E.ON Bayern Vertriebs GmbH lediglich eine Faxnummer geben kann. Als ich explizit nach einer Telefonnummer frage, antwortet Herr K. mir, dass der E.ON Bayern Vertrieb GmbH keine Telefonnummer der E.ON Netz AG bekannt sei.

Soviel zum Thema „nette, hochkompetente und vor allem außerordentlich hilfsbereite Mitarbeiter“.

Erstaunlich übrigens, dass ich über Google relativ schnell die Telefonnummer der E.ON Netz AG ermitteln kann. Ich rufe also dort an. Der Bandansage folgend begehe ich den Fehler die Taste „2“ zu drücken, die man betätigen soll, wenn man Fragen zu seinem Vertrag und/oder Stromanschluss hat. Auf dem Display meines Telefons kann ich sehen, dass ich in diesem Moment automatisch auf eine 0180er-Nummer weiterverbunden werde, die (Überraschung!) mich zur E.ON Vertrieb GmbH leitet. Ich muss gestehen, dass ich mit einer weiteren Dosis geballter Kompetenz jetzt wohl überfordert wäre, daher lege ich auf und wähle erneut die Nummer der E.ON Netz AG. Diesmal geht eine junge Dame ans Telefon, deren Namen ich mir schon gar nicht mehr merke, da mir das Ergebnis des Telefonats eh schon im Voraus bekannt ist: Sie sagt mir, da sei die E.ON Netz AG nicht verantwortlich, ich müsse mich mit der E.ON Vertrieb GmbH in Verbindung setzen. Ich interveniere, wobei ich zugeben muss, dass ich in den Moment ein wenig laut werde. Die junge Dame sagt nur: „Einen kleinen Moment bitte“ und verbindet mich weiter. Was meint Ihr wohl, was für eine Telefonnummer ich auf dem Display des Telefons erspähe? Unter weiteren Hasstiraden lege ich auf.

Ein wenig später rufe ich erneut die E.ON Netz AG an, diesmal halte ich mich für besonders schlau. Ich drücke statt der „2“ die „3“, denn die soll man drücken, wenn eine Störung des Stromanschlusses vorliegt. Ich definiere die Zwangsabschaltung meines Stromanschlusses als eine Störung im weitesten Sinne, werde aber von einem unfreundlichen, wortkargen (merke den Unterschied zu Mitarbeitern der E.ON Bayern Vertrieb GmbH) Herrn H. darauf hingewiesen, dass er nicht zuständig sei. Stimmt nicht ganz, denn als er den Satz mit den Worten „Ich bin“ beginnt, falle ich ihm ins Wort und führe den Satz mit den Worten „nicht zuständig“ zu Ende. Wieder einmal habe ich der E.ON fünf Minuten meines Lebens geopfert, die mir niemand zurück gibt.

Aus reiner Gewohnheit wähle ich, nachdem ich mir einen Kaffee (den hundertsten heute) geholt habe, die Nummer der E.ON Vertriebs GmbH. Nach fünf Minuten in der Warteschleife kommt die Bandansage „Wir möchten Sie nicht länger warten lassen und Sie zurückrufen“. Dann wird die Verbindung getrennt.

 

… Fortsetzung folgt…

 

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