Caminho Português – Tag 19: Porto – Brüssel – München

Als ich um kurz nach acht aufstehe, bleibt nicht mehr viel Zeit, denn der Abflug ist bereits für 12:20h angesetzt. Von meinem letzten Kurzaufenthalt in Porto (Siehe Tag 1) weiß ich noch, dass die Fahrt mit der Metro ab São Bento eine gute Dreiviertelstunde dauert, und ich sollte in etwa zwei Stunden vor Abflug am Flughafenn sein. Dass das bei innereuropäischen Flügen nicht zwingend nötig ist, weiß ich auch, aber man weiß ja nie, was mir am Flughafen noch so alles passieren kann (eine lustige Pöbelei zum Beispiel), und einen Verspätungszeitpuffer brauche ich auch immer. So mache ich micht kaum eine Stunde später auf den Weg zu Flughafen.

Ich bin wirklich froh, dass ich alle mir wichtigen Sehenswürdigkeiten bereits gestern abgearbeitet habe. Vor allem bei der Livreria Lello, die ich aufgrund der langen Schlange an der Kasse für die Eintrittskarten (Tatsache: Bei diesem Laden muss man vorher Eintritt zahlen, wenn man ein Buch kaufen möchte!) eigentlich auf heute morgen schieben wollte, wäre es wirklich schade gewesen, hätte ich sie verpasst.

Nichtsdestotrotz: Die Stadt Porto hat mich bereits in den wenigen Stunden, die ich hier verbringen durfte, zutiefst beeindruckt – durch ihre Schönheit, ihre Vielschichtigkeit, die hohe Dichte an Sehenswürdigkeiten, die Freundlichkeit der Menschen, denen ich begegnet bin, und das alles, obwohl ich gerade einmal an der Oberfläche der Stadt gekratzt habe. Eines ist sicher, mein liebes Porto: Wir haben uns heute nicht zum letzten Mal gesehen!

Am Flughafen in Porto läuft alles glatt, außer, dass ich zwei Mal durch die Sicherheitsschleuse muss, weil ich beim ersten Mal meine Armbanduhr nicht auf das Band des Röntgengerätes gelegt habe, der Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes aber darauf besteht, dass auch diese durchleuchtet wird. Den flotten Spruch, der mir schon auf der Zunge brennt, schlucke ich herunter, denn immerhin darf ich meine Schuhe anbehalten und das muss belohnt werden.

Als es in die heiße Phase des Boardings geht, mache ich etwas für mich eigentlich untypisches: Ich stelle mich als Erster in die Schlange, so das ich gleich nach den Gehbehinderten und den Eltern mit Kinderwagen einsteigen kann. Der Grund ist allerdings ziemlich banal: Ich habe den Platz 30C bekommen, das ist der Gangplatz in der allerletzten Reihe und ich habe reichlich wenig Lust zu warten, bis alle andern Passagiere in stoischer Gelassenheit ihre viel zu großen Koffer in den Gepäckablagen verstaut und ihre Sitzplätze eingenommen haben.

Was ich in dieser Form noch nie miterlegt habe: Kaum sind alle Passagiere eingestiegen, stürmt der erste Vater – schwer bepackt mit Kleinkind und Umhängetasche – die Toilette um das Kind zu wickeln. Während ich mich mit der Frage befasse, ob das nicht auch im Flughafenterminal möglich gewesen wäre (immerhin gibt es dort ausgewiesene und voll ausgestattete Wickelräume zu genau diesem Zweck) und sich die Flugzeugcrew ihrerseits auf den Start vorbereitet, beobachte ich einen heiteren Pendelverkehr vor der Flugzeugtoilette (im Übrigen funktioniert nur eine von beiden, die andere ist defekt). Noch vor dem Start kann ich verkünden: Von sechs mitreisenden Kleinkindern sind mittlerweile genau sechs Kleinkinder frisch gewickelt, es kann also losgehen. Frage hierzu an die Vielflieger: Dass es den legendären Mile High Club gibt, ist ja hinlänglich bekannt. Gibt es vielleicht auch einen neuen, aufstrebenden „Ich wickle mein Kleinkind auf der Flugzeugtoilette“-Club? Wenn dem so ist, sollte ich mir unbedingt in nächster Zeit ein Kind ausleihen, denn in dem Club möchte ich dann bitte auch Mitglied werden. Werde dazu bei nächster Gelegenheit mal meinen Neffen anhauen, ob er Bock hat mitzumachen…

Etwa eine Stunde nach dem Start verwandelt sich die Truppe der Flugbegleiterinnen in einen aufgeschreckten Hühnerhaufen: Zwei von ihnen kommen so gekonnt unauffällig, dass es auch wirklich jeder im Flugzeug mitbekommt, auf mich zu, stürmen an mir vorbei und hämmern gegen die Toilettentür, die sich auch kurz darauf öffnet. Heraus kommt eine Frau mit schuldbewusster Miene, die trotzdem alles abstreitet, was gesagt wird. Nein, sie habe nicht in der Toilette geraucht, und überhaupt müsse das ein Anzeigefehler sein, den Alarm könne sie überhaupt nicht ausgelöst haben, wegen… Die nächsten fünfzehn Minuten geht die Diskussion so weiter, dann darf sich die Frau, mittlerweile in Tränen aufgelöst, endlich auf ihren Platz setzen. Chapeau, meine Damen, die Aktion war wirklich sehr unauffällig! Der Rest des Fluges verläuft unspektakulär, wir landen, die Anschnallzeichen erlöschen, was völlig egal ist, da eh schon alle aufgesprungen sind, um ja als erste an ihren Koffer in der Kofferablage zu dürfen. Mir ist das egal, ich bin ich ganz hinten gefangen und muss warten, bis alle ausgestiegen sind. Wahrscheinlich bin ich daher auch einer der wenigen, die mitbekommen, dass besagte Dame beim Aussteigen abgefangen und von Polizisten eingefangen. Unter lautem Wehklagen und wiederholtem „Ik heb toch niks verkeerd gedaan!“ wird sie in Handschellen abgeführt. Ich sehe das ein wenig anders, denn es ist allgemein bekannt, dass Rauchen im Flugzeug (a) streng verboten und (b) saugefährlich ist. Die Frau kann noch froh sein, dass sie das auf diesem Flug getan hat, denn in den letzten Jahren betrug die Strafe dafür im Schnitt 175-225 Euro. In den arabischen Staaten hätte sie dafür bis zu fünfzig Peitschenhiebe, in den USA ein paar Monate Gefängnis. Wie auch immer die Geschichte für sie ausgeht: Dieser Flug wird ihr noch lange in Erinnerung bleiben.

Als ich das Flugzeug verlasse und wieder deutschen Boden unter den Füßen habe, wird mir klar, dass die Reise nun auch für mich zu Ende geht, und auch für mich wird diese Reise lange Zeit in Erinnerung bleiben.

Vierhundert Kilometer Weg unter meinen Füßen, fünfzehn Tage Wanderung, bis zu neuneinhalb Stunden Tagespensum, zweimal das Hochgebirge rauf und wieder runter, zwei Tage Regen. Viele Menschen, denen ich begegnen durfte, manche faszinierend, andere nicht so besonders. Manche, bei denen ich es schade fand, dass sich unsere Wege nach einiger Zeit wieder trennten,andere, bei denen ich ehrlich gesagt auch ganz froh darüber war.

Ein mehr als suboptimaler Start, ein spannender erster Abend im Kloster von Vairao, eine Zufallsbegegnung mit… ja, mit „meinen Mädels“. Euch möchte ich an dieser Stelle aus tiefstem Herzen danken, denn ohne euch wäre diese Reise für mich nicht das geworden, was sie letztlich war. Ich habe während dieser Reise eine Wandlung durchgemacht, an der ihr großen Anteil habt, auch wenn euch das so überhaupt nicht bewusst ist. Vielen, vielen Dank dafür, dass ihr so seid, wie ihr seid und dass ihr mich in den Tagen ertragen habt, und dass ihr ich auf diesem Weg begleitet habt, und und und… Ich verdanke euch so vieles, von dem ihr nichts wisst! DANKE! Dank u wel!

 

Fin

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