8. Tag, Freitag, 21.05.2010

WUHAN – YICHANG
City-Tour in der Yangze-Metropole: Ihr Scout zeigt Ihnen den Turm des Gelben Kranichs und den Guiyuan-Tempel. Nachmittags per Bus durch die Yangze-Ebene und Stopp in Shashi mit seiner imposanten Stadtmauer. In Yichang erwartet Sie am Abend Ihr Flusskreuzfahrtschiff. Vier Übernachtungen an Bord.

Ni hao! Pünktlich um 8.00 Uhr klingelt das Telefon. Heute bekomme ich den Weckruf bewusst mit, denn ich bin bereits eine halbe Stunde wach. Der Koffer ist auch gepackt und ich warte darauf, dass der Page ihn abholt und zum Bus bringt. Um 8.15h steht er vor der Tür und ich kann beruhigt zum Frühstück gehen.
Auch wenn wir erst gestern hier angekommen sind, so endet unser Aufenthalt in Wuhan heute schon wieder. Nach dem Frühstück geht es los auf den Schlangenberg, auf dem der berühmte Turm des Gelben Kranichs steht. Laut Reiseführer hat man von ihm aus einen tollen Ausblick auf den Yangze, was ich aber nicht bestätigen kann: Es regnet in Strömen, doch selbst bei gutem Wetter wage ich die Behauptung anzuzweifeln, denn in allen Städten, die wir bisher besucht haben, war die Luft so dreckig, dass die Sicht dadurch sehr stark eingeschränkt war.
Um die Yangze-Blick tut es mir auch deshalb nicht leid, weil wir heute abend auf dem Kreuzfahrtschiff einchecken und von da an drei Tage und vier Nächte eine wundervolle Aussicht auf den Yangze haben werden.
Der Turm an sich hat dadurch Berühmtheit erlangt, dass er bereits mehrfach zerstört und komplett wieder aufgebaut wurde, zuletzt 1985. Beherrscht wird das Turminnere durch ein riesiges Relief, dass den Turm zeigt und einen darüber fliegenden Kranich.
Unser nächstes Ziel ist das Kloster Guiyuan Si, das vor 300 Jahren am Ort eines alten Gartens errichtet wurde. Es gilt als das schönste Kloster Wuhans, und zumindest was den Tempel angeht, kann ich das bestätigen. Er kommt in keinster Weise an die prunk- und prachtvollen buddhistischen Tempel Thailands heran, aber für chinesische Verhältnisse ist er recht schön. Beeindruckend ist die Halle der fünfhundert vergoldeten Luohan, mit deren Hilfe der Besucher seine Zukunft und sein Schicksal erfahren kann. Es funktioniert so, dass der Besucher an den fünfhundert Luohan entlang schreitet und irgendwann bei einer beliebigen Figur anfängt zu zählen. Dann zählt er so viele Louhan ab, wie er alt ist (also läuft ein fünfundzwanzigjähriger bis zum fünfundzwanzigsten Luohan. Jeder Luohan hat einen charakteristischen Gesichtsausdruck, der schon einmal erahnen lässt, wie die Geschichte ausgeht. Des Weiteren ist jedem Luohan eine Zahl zugordnet, meine ist die dreiundzwanzig. In einem kleinen Kiosk neben dem Tempel kann man dann für zehn Yuan eine Bronzeplakette erwerben, die eine Kopie aus dem Buch der Deutungen darstellt. Die drei Euro ist mir der Spaß wert. Leider ist die Plakette auf chinesisch beschriftet. Der lokale Reiseleiter versucht zwar mir zu erklären, was der Inhalt ist, leider scheitert mein Verständnis aber an der Sprachbarriere. Ich werde während der nächsten Tage noch einmal unsere Reiseleiterin fragen. Das Ergebnis kann ich allerdings bereits jetzt erahnen: Ich wette, dass ich in meinem vorherigen Leben ein Edelmann war oder mindestens ein reicher, guter Mann. Kein Wahrsager würde jemals zu jemandem sagen, dass er in seinem vorherigen Leben ein Bettler war oder ein Tyrann. Dennoch bin ich bereit mich überraschen zu lassen.
Was folgt, ist eine fünfstündige Busfahrt nach Yishang, denn der Besuch in Shashi mit Besichtigung der Stadtmauer fällt aus wegen ist nicht.
Gegen 16:30 Uhr kommen wir am Kreuzfahrtschiff an. Es ist erstaunlich leer auf dem Kai, woher das kommt, erfahren wir später: Außer unserer Gruppe ist nur noch eine einzige Gruppe eingebucht, so dass wir mit dreißig Gästen auf einem Schiff unterwegs sein werden, dass für ungefähr zweihundert Gäste ausgelegt ist. Bei einer Besatzungsstärke von 106 Personen ist das ein guter Schnitt, denn das Verhältnis Besatzung zu Gästen liegt bei 3,54. Ich habe das leichte Gefühl, dass wir die nächsten Tage behandelt werden wie Könige.
Den Rest des Abends verbringen wir mit einer Schiffsführung und einem anschließenden Beisammensein in der Bar. Ungewöhnlich früh löst sich die Gruppe um 22:30 Uhr auf. Das ist vielleicht gar nicht so schlecht, wenn man bedenkt, dass um 6:50 Uhr der Weckruf erschallen wird…

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