13. Tag, Mittwoch, 26.05.2010

XIAN
Vormittags vor die Tore Xians zur weltberühmten Terrakotta-Armee. In voller Lebensgröße stehen die irdenen Wächter am Grab des ersten Kaisers von China stramm wie eh und je. Nachmittags Freizeit. Aber Sie können die alte Kaiserstadt auch auf einer Stadttour mit Ihrem Scout erkunden: Da geht’s zur Großen Wildgans-Pagode, ins Provinzmuseum und in die moslemische Altstadt mit der Großen Moschee. Abends noch Lust auf ein kühles Tsingtao-Bier im Kneipenviertel Defuxiang?

Nach der Terrakotta-Armee steige ich aus dem Programm aus, denn ich habe einen echten Culture-Overkill; in anderen Worten: es reicht! Laut Reiseführer würde sich die Wildgans-Pagode maximal wegen des Ausblicks auf die Stadt lohnen, der aber leider dadurch verhindert wird, dass die Fenster zu klein sind um durchschauen zu können.
Die Moschee möchte ich bewusst nicht besichtigen, denn ich fahre nicht knappe 6.000 Meilen bis nach China (also ein buddhistisches Land) um mir dann dort eine Moschee anzuschauen, da kann der Reiseführer noch so oft betonen, dass es die größte, schönste, (blabla) Moschee ganz Chinas ist und überdies Anlaufstelle für etwa 60.000 Moslems in der Umgebung.
Stattdessen fahre ich mit Jan zurück ins Hotel, und nachdem wir uns etwas Zeit gegönnt haben, fahren wir mit dem Taxi zum Pagoden-Park; Jan möchte dort ein paar Bilder machen.
Die Fahrt führt uns durch die hintersten Gassen Beijings und alleine deswegen hat sich die Fahrt für mich schon gelohnt.
Zusammenfassend kann ich sagen: Es war eine fast schon geniale Aktion. Wir sitzen mitten in der Rush Hour in einem Taxi, fahren quer durch Beijing, kommen am Park an, stellen fest, dass der Eintritt neunzig Yuan (knappe zwölf Euro) pro Person kostet, beschließen, dass uns das zu teuer ist, steigen erneut in ein Taxi, fahren quer durch die ganze Stadt zum Moslemviertel und steigen dort aus.
Dort ist die Hölle los, die Straßen sind voll von Menschen und Garküchen und Verkaufsständen und und und…
Wir streifen durch die Seitengassen, wo sich ein Laden an den anderen reiht, die Händler versuchen wild gestikulierend uns mit lauten „Hello, hello“-Rufen in ihre Läden zu locken, wo es dann originale T-Shirts à la Golce&Dabbana zu kaufen gibt, natürlich immer „better than original!“
Nebenbei haben wir uns fest vorgenommen, sämtliche Garküchen auszuprobieren und soweit ich es beurteilen kann, haben wir das auch geschafft. Ich habe es mir abgewöhnt, nachzufragen oder auch nur im Entferntesten zu spekulieren, was das sein könnte bzw. früher einmal war, was ich das grade esse, aber bis auf eine einzige Ausnahme schmeckt das alles hervorragend, auch wenn es größtenteils so pervers scharf gewürzt ist, dass es schon an Körperverletzung grenzt.
Der Abend endet damit, damit, dass wir an einem Massageschuppen vorbeikommen, spontan reingehen und dort versacken. Noch nie zuvor habe ich so eine erheiternde Massage erlebt: Wir können kein chinesisch, die Mädchen können kein englisch und das einzige Wort, das sie auf deutsch können, ist „scheiße“. Wir erleben somit die nächsten neunzig Minuten eine entspannende und erheiternde Massage, während der Sätze vorgesagt und von anderen wiederholt werden, ohne dass diese die Bedeutung wissen. Jan schlägt sich offensichtlich erstaunlich gut und doch habe ich Angst, dass er durch die falsche Betonung irgendeines Wortes einen Kühlschrank kauft oder gar die Partei beleidigt. Offensichtlich ist das nicht der Fall, denn sie lassen und gehen, und wir kommen um halb zwei am Hotel an.

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