15. Tag, Freitag, 28.05.2010

RÜCKFLUG VON BEIJING
Vormittags Transfer zum Flughafen und Rückflug mit Hainan Airlines nach Berlin (Flugdauer ca. 10 Std.). Ankunft am Nachmittag. 

Es ist so grausam, dass mir wirklich die Worte fehlen! Um vier Uhr klingelt das Telefon und ich würde den Concierge am anderen Ende der Leitung gerne auf das Wildeste beleidigen, doch erstens ist es eine Bandansage und zweitens fällt mir wieder ein, dass ich den Weckruf ja selbst bestellt habe. Während ich noch darüber nachdenke, warum ich das getan habe, döse ich wieder weg und werde um 4.20 Uhr erneut geweckt, diesmal von Jan, der vor der Tür steht. Jetzt erinnere ich mich auch wieder: Ich hatte gestern vorgeschlagen, zum Tian’anmen zu fahren, wo jeden Morgen in einer Zeremonie die Fahne gehisst wird. Laut Reiseführer findet das bei Sonnenaufgang statt, was eine sehr präzise Zeitangabe ist, zumal in Beijing so wie in den meisten Gegenden Chinas die Luft so dreckig ist, dass eine riesige Smogglocke über der Stadt liegt und man die Sonne maximal erahnen kann.
Um 4:45 Uhr stehen wir auf dem Platz, erstaunlicherweise sind wir nicht die Einzigen – eine lange Schlange großer Reisebusse ist bereits vorgefahren und hat einen Haufen Touristen freigelassen. Soweit ich sehen kann sind es ausschließlich Chinesen, wir sind die einzigen Langnasen auf dem gesamten Platz. Mein Plan, sich unauffällig unters Volk zu mischen, scheitert somit kläglich.
Um 4:50 Uhr startet die Musik, ich nehme an, dass es die Nationalhymne ist. Die Fahne ist bereits angeschlagen und so beginnen zwei Soldaten mit dem Hissen. Um den Fahnenmast herum stehen fünfzehn weitere Soldaten Spalier und noch einmal zehn stehen vor den Zuschauern parat. Direkt vor uns steht ein Jungspund (ich würde ihn auf maximal 16 Jahre schätzen), der starken Seegang hat: Er schwankt die ganze Zeit hin und her und reißt ab und an die Augen auf, plötzlich hört das Schwanken auf: Jetzt ist er endgültig eingeschlafen. Ich würde gerne ein Foto davon machen, doch lasse ich es besser sein, nicht dass das noch rauskommt und irgendwelche Folgen für ihn hat…
Zurück im Hotel lege ich mich noch einmal für ein paar Stunden hin, denn wir müssen erst um zehn Uhr antreten. Das Frühstück verpasse ich heute wieder, denn ich laufe später noch einmal zum Tian’anmen und bin erst um 9.45 Uhr zurück. Macht nichts, essen ist Zeitverschwendung und außerdem haben wir im Flugzeug Vollpension gebucht.

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