6. Tag, Mittwoch, 19.05.2010

Shanghai
Freizeit in Shanghai! Durchstreifen Sie die Altstadt oder gleich ins Shanghai Museum, wo chinesische Kunst aller Zeiten gehortet wird. Wollen Sie wissen, wie das Feng-Shui der Hochhausarchitekten aussieht? In der Stadtplanungsausstellung kommen die Modellbauer mit dem Nachbasteln der Veränderungen kaum noch nach. Oder lieber mit Ihrem Scout auf einen Vormittagstrip zum Wasserdorf Zhujiajiao? Mörtellos gebaute Brücken bieten ein außerordentlich fotogenes Ambiente aus der Zeit der Ming-Dynastie. Am Abend die Qual der Wahl: In einer Zirkusshow Tellerakrobaten bestaunen oder schauen, was in den angesagten Restaurants im In-Viertel Xintiandi auf dem Teller landet? Oder auf einen Drink ins Grand Hyatt, das höchste Hotel der Welt, oder ins legendäre Peace Hotel?

Der Weckruf wäre doch eine geniale Lösung gewesen. Abfahrt ist planmäßig um zehn Uhr, wann wird Roman wach? Um 9:45h. Na super, das Frühstück ist damit wohl gelaufen. Ich springe unter die Dusche und stehe um 9:55h am Ausgang bereit. Unsere Reiseleiterin hat mich wohl beim Frühstück schon vermisst, nur kurze Zeit, nachdem sie mich gesehen hat, drückt sie mir ein Lunchpaket in die Hand. Da war ich ihr echt dankbar, denn das kann ich gut gebrauchen…
Es geht pünktlich los, vor uns liegt eine Fahrt von 65 Kilometern, also ungefähr eine Stunde. Das Ziel ist die Wasserstadt Zhujiajiao, eine uralte Handelsstadt vor den Toren Shanghais.
Ich habe gestern Abend kurzzeitig überlegt, diesen Ausflug auszulassen, um mir stattdessen Shanghai noch einmal auf eigene Faust anzusehen. Da wir aber morgen noch ein paar Stunden Freizeit haben, bin auch ich bei dem Ausflug dabei.
Leider habe ich in Geschichte nicht besonders gut aufgepasst, aber da die Gebäude in der Stadt teilweise 400 bis 500 Jahre alt sind, müssten sie aus einer Ming-Dynastie stammen. Die Häuser sind in ihrer Form sehr ungewöhnlich: Die Fronten sind oft nur wenige Meter breit, dafür erstreckt sich das Haus in die Tiefe über 30-40 Meter. Leider ist sonst nicht viel über die Stadt zu sagen: Es sieht aus wie Klein-Venedig, denn alles spielt sich entlang mehrerer Kanäle ab, die alle in einen See münden. Über den Kanal sind viele alte und eine sehr alte Brücken gebaut, teilweise ohne Mörtel. Einziger Unterschied zu Venedig: Es stinkt nicht so sehr (wenn man mal von diesem typisch-penetranten Essensgeruch absieht, der überall da wahrnehmbar ist, wo Chinesen kochen, doch den nehme ich kaum noch wahr).
Sonst ist über das Dorf nicht viel zu sagen. Wir machen eine kleine Bootstour und schauen uns die Gebäude von der Wasserseite an. Anschließend wechseln wir die Seiten und flanieren durch die engen Gassen. Ich finde es wahnsinnig störend, dass man an keinem dieser Geschäfte (und davon gibt es auf der 1,5 Kilometer langen Straße ungelogen über 750 Stück) vorbeigehen kann, ohne dass einer der Händler uns irgendwelchen Schrott andrehen möchte. In einigen der Läden wird aber auch solide Handwerkskunst verkauft, dass sei der Fairness halber an dieser Stelle erwähnt.
Als wir aus Zhujiajiao zurückkehren, ist es schon 14.00 Uhr, wir haben den Rest des Tages frei.
Als letzte Amtshandlung des Tages fahren wir daher auf den Jin Bao Tower. Von der 88. Etage aus soll man einen tollen Blick über Shanghai haben. Hätte man bestimmt auch, wenn die Luft nicht derart dreckig wäre, dass bereits die Sicht auf das benachbarte Hochhaus stark eingeschränkt ist. Was allerdings wahnsinnig beeindruckend ist, ist der Blick in das Grand Marriott Hotel.
Diese ist in den Etagen 53 bis 87 beheimatet und verfügt über ein offenes Atrium, dass von Etage 56 bis 87 reicht. Damit hat die Lobby eine Deckenhöhe von gigantischen 152 Metern bei einem Durchmesser von 27 Metern. Die Zimmer sind übrigens kreisförmig um das Atrium herum angeordnet.
Von der Aussichtsplattform im 88. Stock hat man einen beeindruckenden (weil nicht durch Smog getrübten) Blick auf dieses Bauwerk.

In einer Zirkusshow Tellerakrobaten bestaunen muss ich jetzt nicht, das kann ich auch in Deutschland in einem Zirkus. Abgesehen wäre die Vorstellung von 19.30 bis 21.00 Uhr, was bedeutet, dass der Abend dann gelaufen wäre, denn die Geschäfte machen meist um 21.00 Uhr zu (zumindest die staatlichen) und es ist erfahrungsgemäß schwierig, dann noch etwas zu essen zu bekommen, denn der Chinese isst bereits vor 20.00 Uhr zu Abend. Was in den angesagten Restaurants im In-Viertel Xintiandi auf dem Teller landet muss ich auch nicht sehen, denn mein Bedarf an Überraschungen in Bezug auf das Essen ist aufgrund der Erfahrungen der letzten Tage, besonders nach dem frittierten Kuheiter, den ich gestern „genießen“ durfte, erst einmal gedeckt.
Ich fahre also zunächst nach Pudong, dort steht die größte Shoppingmall Chinas, und kämpfe mich anschließend mit dem Taxi quer durch die Stadt an den östlichen Stadtrand, denn dort gibt es das erlesenste Teegeschäft der Stadt.
Den Abend lassen wir zu sechst in einem netten thailändischen Restaurant bei ausgezeichnetem Essen ausklingen.

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