3. Tag, Freitag, 03.11.2017: BANGKOK – Stadt der Engel

Frühaufsteher zieht’s in den Lumphini-Park, wo die Bangkoker mit Tai-Chi, Tanz und Yoga den Tag begrüßen. Nach dem Frühstück auf Citytour: per Skytrain und Langschwanzboot zum Klong Bang Luang, dann mit dem Linienschiff über den Chao-Phraya-Fluss zum Wat Pho und seinen Tempeltürmen, zum Königspalast und zum Tempel des Smaragdbuddhas. Anschließend rauschen wir mit dem Linienschiff wieder flussabwärts und heben uns Zeit für die Shoppingtempel der Stadt auf: Siam Paragon, MBK Center oder das Terminal 21 ganz in der Nähe des Hotels – jeder für sich hat seinen Wow-Faktor.

Wer hätte es gedacht: Ich gehe nicht zum Lumphini-Park. Bei der China-Reise bin ich schon einmal um 03:00h in der Früh aufgestanden um auf dem Tinananmen-Platz den Fahnenappell mitzubekommen. Insofern habe ich meine Fähigkeit früh aufstehen zu können bereits unter Beweis gestellt und schlafe heute aus. Der Wecker klingelt um 07:00h, so früh wie sonst nie (nicht mal, wenn ich arbeiten muss). Aber ich habe ja Urlaub, da soll man auch mal verrückte Dinge tun.

Gestern haben wir noch in entspannter Atmosphäre die Benutzung der Skytrain gelernt, da wir aber nicht zum Spaß hier sind, folgt heute die unangekündigte Leistungskontrolle. Wir fahren ein paar Stationen nach Wat Pho, dafür müssen wir sogar einmal umsteigen, was sich leichter anhört als es in der Praxis mit einer 24-köpfigen Gruppe ist. Trotz aller Widrigkeiten erreichen wir vollzählig die Zielstation und laufen noch einige Meter zu unserem ersten Tempel. Ich bin mir aus Erfahrung ziemlich sicher, dass das nicht unser letzter sein wird, aber dieses Exemplar ist schon echt beeindruckend. Warum? Wat Pho ist der älteste Tempel des Landes und zudem auch noch der größte. Für mich als Laien ist das aber beides nicht entscheidend, denn um ehrlich zu sein sehe ich einem Tempel sein Alter nicht an. Wenn ich überlege, ich sollte katholische Kirchen nach diesem Aspekt beurteilen, ich würde fürchterlich scheitern. Das Alter ist es also nicht. Auch die Größe ist eher zweitrangig, denn wenn ich als deutscher Katholik zum ersten Mal seit Langem wieder einen Tempel betrete, sehe ich mich einer totalen Reizüberflutung ausgesetzt:

Aus jedem Winkel blitzt es golden hervor, prächtige Chedis glänzen in der Sonne um die Wette, wobei sie darum konkurrieren, welcher der höchste und imposanteste ist. Selbst Bengi sagt mir, dass das Aussehen des Tempels für ihn nicht das Wichtigste ist. Er geht in den Tempel wegen der Mönche, die er um Ratschläge bittet und die das Bauwerk zu etwas Besonderem machen. Für mich sind Mönche eine beeindruckende Erscheinung, die nicht mit der katholischer Mönche zu vergleichen ist. Es wäre mir beispielsweise neu, dass in Deutschland in öffentlichen Bussen Sitzplätze speziell für Mönche reserviert sind. Für Alte, Kranke und Schwangere, okay. Aber nicht für Mönche. Das zeigt mir den Stellenwert der buddhistischen Mönche in Thailand und sorgt für eine gewisse Aura. Daher würde ich niemals auf die Idee kommen, einen Mönch anzusprechen, mal ganz abgesehen davon, dass der Mönch wohl auch nicht mit mir reden würde. Für Buddhisten wiederum ist das so normal wie es für uns normal ist beim Priester um Rat zu bitten.

Ich merke, ich schweife ab. Also, wirklich beeindruckend ist der Wat Po aufgrund des berühmten „Liegenden Buddha“, einer Statue von 45 Metern Länge und 15 Metern Höhe, die aufgrund ihrer Dimension mit Ach und Krach so gerade in das sie umgebende Gebäude passt. Es wird der auf der rechten Seite liegende Buddha in dem Augenblick dargestellt, in dem er ins Nirvana hinübergeht. Den Ausdruck (speziell den Gesichtsausdruck) dieser Statue zu beschreiben vermag ich nicht, dafür fehlen mir echt die Worte. Bezüglich ihrer optischen Erscheinung sollte noch erwähnt werden, dass die Statue nicht nur komplett mit Blattgold überzogen ist, sondern auf den Fußsohlen zusätzlich 108 Zeichen aufweist, die aus Perlmutt gearbeitet sind und die 108 Zeichen darstellen an denen man einen Buddha erkennt. Der Hinduismus, auf den die Zahl 108 als heilige Zahl zurückgeht, war offensichtlich sehr kreativ, was die Ermittlung dieser Zahl angeht, berechnet sie sich doch wie folgt:

7 Planeten plus 2 Mondphasen multipliziert mit den 12 Tierkreiszeichen ergibt die Zahl 108. Ist eigentlich ziemlich logisch, dass das eine heilige Zahl sein muss…

Vor der beeindruckenden Kulisse des Liegenden Buddha gehen die fast vierhundert kleinen Buddhastatuen fast unter, die in zwei Ringen auf dem Tempelgelände zu finden sind. Sie stammen nicht nur aus den verschiedensten Epochen, sondern auch aus allen Teilen des Landes, von wo aus sie aus den unterschiedlichsten Gründen in den Wat Pho geschafft wurden.

Neben seiner spirituellen Bedeutung fungiert der Wat Pho übrigens noch als Bildungszentrum: Bereits im 16. Jahrhundert, als Wat Pho gegründet wurde, war er Zentrum der Wissenschaft und die wichtigsten Werke der unterschiedlichsten Wissenschaften werden bis heute hier aufbewahrt. Zudem befindet sich hier heute das Zentrum der traditionellen Heilkunst: Etwa 500 anerkannte Ärzte praktizieren hier, die im Bedarfsfall kostenlose Beratungen anbieten, und die berühmteste Akademie für die traditionelle thailändische Massage befindet sich hier. Wer deren Grundtechniken erlernen möchte, kann sich dieses Wissen in Kursen aneignen, die (je nach gewünschter Intensität des Stundenplans) zwischen einer und fünf Wochen dauern. Sollte ich irgendwann einmal nicht wissen, wie ich meinen Urlaub verbringen soll, werde ich auf dieses Angebot zurückkommen.

Für heute haben wir jedoch erst einmal genug vom Wat Pho gesehen, wir laufen zur Skytrain, fahren ein paar Stationen und stehen kurze Zeit später am Ufer des Chao-Phraya, auf dem wir eine Bootstour zum Königspalast unternehmen wollen. Blöderweise hatten so viele andere Menschen die gleiche Idee, dass wir beschließen die Bootsfahrt zu verschieben und mit dem Bus zu unserem Ziel zu fahren. In Augsburg fahre ich häufig Bus und würde mich daher als echten Profi bezeichnen. Daher bin ich ehrlicherweise ein wenig irritiert, als Bengi uns mehrfach darauf hinweist, dass wir unbedingt darauf achten sollen einen Sitzplatz zu ergattern. „Okay“, denke ich mir,“er übertreibt halt ein wenig“. Wir steigen in den Bus ein, die Türen schließen sich, der Busfahrer gibt Gas und ich knalle schon nach wenigen Sekunden volle Kanne mit der Stirn gegen eine Stange vor mir, weil ich die Vollbremsung des Fahrers nicht vorhergesehen habe. Da muss ich echt dran arbeiten, denn in Bangkok läuft das mit dem Verkehr so: Es gibt Ampeln, die leuchten abwechselnd rot, gelb oder grün. Das schafft einfach ein schöneres Stadtbild, denn wenn alle Straßen in einem Einheitsgrau gestaltet wären, sähe das ja schon ein wenig langweilig aus. Eine weitere Funktion haben die Ampeln aber nicht. Okay, manche nutzen die Farben der Anzeige vielleicht als Handlungsempfehlung, ansonsten gilt das Recht des Stärkeren. Oder des Dreisteren, das gilt allerdings nur dann, wenn man in einem Tuk-Tuk unterwegs ist. Das ist zwar schwächer als ein Bus, macht aber trotzdem auf dicke Hose.

Ich darf mich aber nicht beschweren, immerhin habe ich einen Sitzplatz bekommen und bin somit schon mal relativ sicher. Jürgen hat zwar nur einen Stehplatz im Mittelgang ergattern können, kann aber auch ziemlich entspannt sein, da er mit seinen geschätzten 1,80m in einem etwa 1,70 hohen Gang steht und dadurch auch in stehender Position gut eingekeilt ist. Die anderen im Mittelgang sehe ich von Zeit zu Zeit panisch einen Halt suchen. Trotz aller Dramatik macht diese Busfahrt unheimlich viel Spaß und ich würde gerne noch ein paar Stunden einfach immer weiter fahren. Viel zu schnell kommen wir an unserer Zielhaltestelle an.

Wir machen uns auf den Weg zum Palastbezirk. Jetzt wird es richtig dekadent, denn die Königsfamilie verfügt hier über ein Areal von cirka 118.000 Quadratmeter, die Ausstattung ist vom Allerfeinsten: In der Sonne funkelt es von allen Seiten: die Dächer (und auch die Wände) sind mit Gold überzogen. Man zeigt halt, was man hat! Sobald wir die leuchtend weiß gestrichene Außenmauer durchquert haben, steuern wir direkt auf den Wat Phra Kaew zu. Hierbei handelt es sich um das spirituelle Zentrum Thailands, vergleichbar mit Mekka für die Moslems oder Rom für die Katholiken. Der Grund ist recht übersichtlich, im sprichwörtlichen Sinn: Es handelt sich dabei um eine 75cm große, leuchtend grüne und aus einem Stück Jade gehauene Buddhafigur mit einer beeindruckenden Liste von Lebensstationen.

Der Legende nach wurde dieser Smaragdbuddha per Zufall im Jahr 1434 entdeckt, als in Chiang Rai ein Blitz in einen Chedi einschlug und diesen vollständig zerstörte. Zutage befördert wurde dabei ein vergoldeter Gipsbuddha. Durch die Witterung platzte irgendwann der Gips ab und eine wunderschöne grün leuchtende Buddhafigur trat hervor. Wie alt diese nun wirklich ist, ist unbekannt, aber die göttliche Macht, die ihr zugesprochen wurde, sorgte dafür, dass sie in den folgenden Jahrhunderten einige Stationen durchlief. Die Reise ging zunächst von Chiang Rai nach Lampang, wo extra der Wat Kaew Don Tao für die Figur gebaut wurde und in dem sie die nächsten 32 Jahre verbringen sollte. Von dort brachte König Tilok sie nach Chiang Mai, der Wat Chedi Luang wurde erbaut. Weitere Stationen sollten dann noch Luang Prabang und Vientiane sein (hier stand sie 214 Jahre), bis sie schließlich von Rama I. nach Bangkok geholt wurde. Dass das nicht ganz so friedlich verlief, er nämlich im Vorfeld in Vientiane wie ein Berserker gewütet und die Stadt dem Erdboden gleichgemacht hatte, darüber hüllen wir einmal den Mantel des Schweigens. Erwähnen wir doch lieber noch der Vollständigkeit halber, dass auch in Bangkok für die Statue ein Wat gebaut wurde, nämlich der Wat Phra Kaew, in dem ich gerade stehe.

Leider können wir den Smaragdbuddha heute nicht live erleben, denn das Gebäude, in dem er aufbewahrt wird, ist von einer unfassbar großen Menge an Mönchen belegt, die dort eine Zeremonie feiern. Als sie unter großem Tamtam in einer Prozession nach draußen kommen und sich vor dem Portal für ein Gruppenfoto aufstellen, müssen wir schon weiter, denn wir haben noch einiges vor.

Allerdings weiß ich von meinem letzten Aufenthalt, dass es auch anderweitig schwer gewesen wäre einen Blick auf die Buddhafigur zu werfen, da sie nun wirklich sehr klein ist und unter normalen Umständen hinter einer Wand von chinesischen Selfiesticks verschwindet. Dank der Google-Bildersuche ist es aber ja doch möglich sie zu sehen.

Völlig erschlagen von soviel Prunk und Dekadenz gibt uns Bengi Zeit für ein bißchen Entspannung: Wir fahren erneut zum Fluss und nehmen einen zweiten Anlauf für unsere Fahrt mit dem Langschwanz-Boot über den Chao-Praya-Fluss. Auf dem Weg dorthin kaufen wir uns an einer Garküche noch jeder zwei Fleischspieße und eine kleine Tüte Klebreis für zusammen 30 Baht (das entspricht etwa 75 Cent) oder alternativ gefüllte Dampfnudeln für 18 Baht, womit eine vollwertige Mahlzeit für kleines Geld erworben ist.

Die Bootsfahrt bestätigt meine Erinnerung an meinen letzten Bangkok-Aufenthalt: Das Stadtbild ist extrem abwechslungsreich: prächtige Neubauten wechseln sich mit einsturzgefährdeten oder bereits eingestürzten Holzhütten ab, dazwischen befindet sich irgendwo das repräsentative königliche Dschunkenmuseum. An einer Kreuzung zweier Kanäle müssen wir kurz anlegen und auf die Öffnung der Schleuse warten. Diese war vor einiger Zeit geschlossen worden um das Hochwasser zurückzuhalten, das zur Zeit aus Chiang Mai bis nach Bangkok kommt. Nach ein paar Minuten stellt sich heraus, dass wir hier nicht weiterkommen, denn die Schleuse ist defekt und wir müssen einen größeren Umweg fahren. Kurz überlege ich, wie die Menschen, die jenseits der Schleuse wohnen, wohl mit der Situation umgehen, komme dann zu dem Schluss, dass es sie relativ kalt lassen dürfte, weil das wahrscheinlich des Öfteren passiert. Wir jedenfalls fahren einen größeren Umweg, drehen dann irgendwann um und fahren den gleichen Weg wieder zurück. Dabei sorgt der Fahrer netterweise für Erheiterung der hinteren Reihen, als er eine Welle so elegant anvisiert, dass die ersten drei Reihen anständig nass werden. Aufgrund der Reinheit des Wassers bin ich sehr froh in Reihe vier zu sitzen und von einer Dusche verschont zu bleiben.

Langsam wird es dunkel und wir kehren ins Hotel zurück um uns kurz frisch zu machen. Für den Abend hat Bengi einen Tisch reserviert. Dieser steht im 79. Stockwerk des Bayoke 2 Tower, das mit 304m zur Zeit zweithöchste Gebäude Thailands. Der Preis für das Abendessen ist mit 1.200 Baht für hiesige Verhältnisse unverschämt hoch, weshalb außer dem Personal auch keine Einheimischen zu sehen sind. Dafür gibt es aber ein Buffet, das einmal rund um den Gebäudekern aufgebaut ist und von diversen Currys über thailändische Nudelgerichte und Meeresfrüchte bis hin zu Pommes, Pizza und Burger alles bietet was das Herz begehrt. Nach dem Essen laufen wir vom 79. in den 83. Stock, wo es ein Podest gibt, dass sich um das Gebäude dreht. Die Aussicht ist überwältigend und wir fahren drei Runden auf dem Karussell mit um den Ausblick auf uns wirken zu lassen. Bereits von hier oben können wir den Ort sehen, an dem wir den Rest de Abends verbringen wollen: Ein hell erleuchtetes Riesenrad steht auf einer kleinen Insel im Fluss Dort findet heute Abend das Lichterfest statt, mit dem die Einheimischen das Ende der Regenzeit feiern. „Feiern“ ist gerade im Urlaub immer eine gute Idee, daher machen wir uns alle nach dem Essen pappsatt auf den Weg dorthin. Nachdem wir ja schon fleißig geübt haben, ist das Bahnfahren für uns alle kein Problem mehr. Wir betreten die Bahnstation und ich steuere auf den Ticketschalter zu. Einmal vierundzwanzig Tickets für alle zu kaufen erscheint mir sinnvoll, denn wenn wir uns alle einzeln anstellen dürfte das ewig dauern. Gesagt, getan: Ich kaufe die Tickets, rufe die Gruppe zusammen, sammle das Geld ein, sortiere die gefühlten zwei Kilogramm Münzgeld, falte die Scheine zusammen und verstaue das Geld in meiner Hosentasche.

Wir steigen in die Bahn und fahren zwei Stationen bis zu dem Bahnhof an dem wir umsteigen müssen. Alles läuft glatt, wir wechseln das Bahngleis und in dem Moment, in dem wir in die Anschlussbahn einsteigen, stelle ich fest, dass mein Handy fehlt. Ich bin sofort hellwach, was bei einem plötzlichen Anstieg der Pulsfrequenz auf etwa zweihundert Schläge pro Minute auch kein Wunder ist. Im ersten Moment glaube ich, dass es mir im Getümmel geklaut wurde, Marcus ist aber sicher, dass das nicht sein kann, denn ich stand inmitten unserer Gruppe. Hastig springe ich aus der Bahn, denn Weiterfahren ist die wahrscheinlich schlechteste Option. Marcus springt hinter mir her und ich kann den Anderen gerade noch ein „Wir treffen uns am Zielbahnhof“ hinterher brüllen, da schließen sich auch schon die Türen und die Bahn verschwindet in der Dunkelheit. Marcus, dem ich sowieso schon dankbar dafür bin, dass er mich in dieser Stresssituation mitten in einer fremden Stadt nicht alleine lässt, macht mir Mut indem er sagt, ich hätte das Handy bestimmt beim Fahrkartenschalter liegen gelassen und die hätten das Handy bestimmt gefunden. Ich schöpfe ein bißchen Hoffnung, wir steigen in den nächsten Zug und fahren zu dem Bahnhof an dem wir losgefahren sind.

Kaum öffnen sich die Türen, sprinten wir auch schon los, was eigentlich sinnlos ist, denn es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder es liegt noch dort oder jemand anders erfreut sich bereits daran. Bei der hohen Frequenz, die hier herrscht, ist Option A ziemlich unwahrscheinlich, aber der Mensch handelt nun mal nicht immer rational. Wir laufen auf das Drehkreuz zu, das man durchquert um den Bahnsteig zu verlassen, Marcus rennt eine dieser niedrigen Türen, die für Personen mit Koffern vorgesehen ist, buchstäblich um und ignoriert dabei völlig den Polizisten, der schon seit einigen Metern wild gestikulierend hinter ihm her rennt. Gleich hinter dieser Tür befindet sich auf der rechten Seite der Schalter, an dem ich die Fahrkarten gekauft habe. Ich bin noch einige Meter hinter Marcus (verdammt, hat der eine Geschwindigkeit drauf), da ruft er schon: „Da liegt es noch!“

Mir fällt ein Stein vom Herzen und während er mit dem Handy in der Hand auf mich zukommt versuchen wir erst einmal den Polizisten zu beruhigen. Da er uns offensichtlich nicht versteht, zuckt er irgendwann einfach mit den Schultern, dreht sich um und geht. Wir laufen zurück zur Bahn und machen uns auf den Weg zum vereinbarten Treffpunkt.

Dort angekommen treffen wir tatsächlich auf die geschlossene Gruppe, die auf uns gewartet hat. Ich muss gestehen, dass ich damit nie im Leben gerechnet hätte, denn erstens ist es aufgrund des Lichterfestes so voll, dass die Wahrscheinlichkeit sich wiederzufinden, generell eher gering ist, und zweitens hätten die anderen die Zeit bestimmt lieber mit etwas anderem verbracht, als damit auf mich zu warten. Spätestens jetzt bin ich fest davon überzeugt, dass diese Reise verdammt grandios wird, denn wenn eine Gruppe bereits am zweiten Abend so fest zusammenhält, dass niemand alleine zurückgelassen wird, dann ist das schon etwas ganz Besonderes. Diese Thailand-Reise ist bereits meine fünfte Gruppenreise, und glaubt mir eins: Ich weiß, wovon ich rede, wenn ich sage, dass eine Reisegruppe auch ganz anders auftreten kann!

Ein paar von uns haben in der Zwischenzeit kleine Blumengestecke gekauft, die mit Kerzen und Räucherstäbchen geschmückt sind. Beim Lichterfest ist es Tradition, diese Gestecke mit einem Bambusstab auf den Fluss hinab zu lassen und sich dabei Gutes für die Zukunft zu wünschen. Ich selbst brauche mir gerade nichts wünschen, denn mit den Gefährten, die ich die nächsten zwei Wochen an meiner Seite haben darf, kann wirklich nichts schiefgehen. Das wurde heute eindrucksvoll bewiesen. Wir schlendern einmal quer über den Platz, auf dem neben dem besagten Riesenrad noch diverse weitere Attraktionen aufgebaut sind, wie zum Beispiel VR-Fahrsimulatoren oder Schießstände, dann lassen wir uns in einer Cocktailbar nieder. Erstaunlicherweise schaffen die es dort, obwohl der Laden beinahe aus allen Nähten platzt, noch einen Tisch für vierundzwanzig Personen herzurichten.

Der Rest des Abends verläuft feucht-fröhlich, die Stimmung ist hervorragend, Bier und Cocktails schmecken mit jedem Glas ein bißchen besser. Ich habe bereits leicht einen sitzen, als wir ein Tuk-Tuk besteigen und uns unter lautem Gejohle und Lachen zum Hotel zurückfahren lassen. Dort angekommen müssen wir feststellen, dass es in unserem Hotel leider kein Bier mehr gibt, allerdings haben eine Handvoll Spezialisten bereits ausgekundschaftet, dass wir uns im Nachbarhotel noch einen Absacker besorgen können. Wir verbringen des Rest des Abends mit eben jenem Absacker auf der Dachterrasse unsere Hotels, bis ich irgendwann halbtot ins Bett falle. Zu dem Zeitpunkt ist es bereits nach vier Uhr und mir wird erst jetzt bewusst, dass ich mich für den freiwilligen Ausflug nach Ayutthaya am nächsten Morgen angemeldet habe. Eigentlich könnte ich jetzt bereits wach bleiben, denn der Wecker wird in etwas mehr als drei Stunden unerbittlich klingeln. Doch dann überkommt mich doch noch eine gnädige Ohnmacht.

Es wurde Abend, es wurde Morgen, ein neuer Tag!

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