Kundenbindung auf bayrisch, heute: E.ON Vertrieb GmbH Landshut (Episode I)

„Sehr geehrter Herr Wegmann,

Sie erhalten von uns zuverlässig und sicher Energie. Leider haben Sie Ihren Energieverbrauch in [Adresse zensiert] noch nicht bezahlt. Mittlerweile fallen für Sie Mahngebühren in Höhe von 5,00 EUR an. Deshalb weist Ihr Kundenkonto einen offenen Betrag von 366,00 EUR auf. […]
Wichtig für Sie: Wenn Sie den Betrag nicht begleichen, werden wir ab dem 28.06.2010 die Energielieferung durch den Netzbetreiber einstellen lassen. […]
Vielen Dank. Mit Ihrer Zahlung ersparen Sie sich und uns weitere Unannehmlichkeiten.
Freundliche Grüße

Ihre E.ON Bayern Vertrieb GmbH“

Den Brief habe ich am 01.06.2010 von der E.ON Vertrieb GmbH Landshut erhalten. Es handelt sich dabei, wie unschwer zu erkennen ist, gleich um eine Mahnung. Bemerkenswert ist das deshalb, weil es das erste Schreiben überhaupt ist, das ich von der E.ON erhalten habe. Kein Begrüßungsschreiben, keine Konditionen, nichts. Nur oben zitierte Mahnung Anfang Juni.
Folgende Überlegungen gehen mir dabei durch den Kopf:

1.) Erstmal überweisen, denn ohne Strom ist auch blöd.
2.) Die Konditionen können die Vertriebsprofis o.g. Firma mir auch später noch mitteilen.
3.) Außerdem ist es toll, dass ich direkt eine Mahnung über die ganze Jahresgebühr bekomme, so habe ich erstmal meine Ruhe vor den freundlichen und hochkompetenten Mitarbeitern der E.ON.
4.) Schön, dass mir durch die Zahlung weitere Unannehmlichkeiten erspart bleiben.

zu 4.) Denkste! Folgendes Schreiben erhalte ich am 14.06.2010:

„Sehr geehrter Herr Wegmann,

Sie erhalten von uns zuverlässig und sicher Energie. Leider haben Sie Ihren Energieverbrauch in [Adresse zensiert] noch nicht bezahlt. Mittlerweile fallen für Sie Mahngebühren in Höhe von 10,00 EUR an. Deshalb weist Ihr Kundenkonto einen offenen Betrag von 371,00 EUR auf. […]
Wichtig für Sie: Wenn Sie den Betrag nicht begleichen, werden wir ab dem 12.07.2010 die Energielieferung durch den Netzbetreiber einstellen lassen. […]
Vielen Dank. Mit Ihrer Zahlung ersparen Sie sich und uns weitere Unannehmlichkeiten.
Freundliche Grüße

Ihre E.ON Bayern Vertrieb GmbH“

Ich bin ja wirklich ein geduldiger Mensch, aber da ist mir echt der Kragen geplatzt. Meinen Unmut darf ich dann unter einer 0180er-„Service“Nummer kundtun, was ich doch mit Freuden mache, zumal ich keinen Festnetzanschluss habe und eine solche Telefonnummer über das Mobilnetz noch viel mehr Spaß macht.
Telefonisch erreiche ich eine junge Dame mit einer Wahnsinnsstimme, nennen wir sie der Einfachheit halber im weiteren Verlauf „Frau H.“.

Fr. H.: Guten Tag, E.ON Vertrieb GmbH, wie kann ich Ihnen weiterhelfen?
Ich: Guten Tag Frau H. Ich habe von Ihnen eine Mahnung erhalten bezüglich einer Rechnung, die ich bereits vor zwei Wochen beglichen habe.
Fr. H.: Würden Sie mir bitte Ihre Kundennummer nennen, damit ich Ihr persönliches Konto einsehen kann?
Ich: Klar, das ist die [zensiert]
Fr. H.:  Herr Wegmann, es handelt sich dabei um eine Mahnung bez…
Ich: Fr. H., die Mahnung finde ich doch insofern recht interessant, als das das erste Schreiben überhaupt ist, welches ich von Ihnen erhalten habe.
Fr.H.: Normalerweise schicken wir aber immer erst ein Begrüßungsschreiben an die Kunden heraus, haben Sie dieses nicht erhalten?
Ich: Hätte ich das Schreiben erhalten, wäre diese Mahnung wohl kaum das erste Schreiben, das ich von Ihnen bekommen habe, oder?
[Schweigen]

Fr. H.: Herr Wegmann, ich sehe da, dass wir Ihnen gegenüber noch eine offene Forderung in Höhe von 371,00 EUR haben.
Ich: Abzüglich der fünf Euro Mahngebühr ist das genau der Betrag den ich bereits vor zwei Wochen beglichen habe.
Fr. H.: Der Betrag, den Sie vor zwei Wochen beglichen haben, bezieht sich auf den Monat Mai, wir reden hierbei aber über die Rechnung für den Monat Juni.

Ein Geistesblitz meinerseits drängt sich durch meine Kehle in Richtung Sprechmuschel. Ich komme einfach nicht umhin, mir einen Scherz zu erlauben und nachzufragen, ob ich denn jetzt allen Ernstes jeden Monat diesen Betrag zu zahlen habe. Fr. H. bejaht dies. Ich warte darauf, dass sie in schallendes Gelächter ausbricht und Frank Elstner meine Wohnung stürmt um mir die Kamera zu zeigen. Nichts dergleichen passiert. Fr. H. muss das ernst gemeint haben.
In der Schule war Kunst nicht meine Stärke, aber in Kopfrechnung bin ich immer schon gut gewesen und so komme ich ziemlich schnell darauf, dass ich also über das Jahr knappe 4.200 EUR Stromgebühren zu zahlen habe.

Es geht weiter: Laut E.ON bin ich im Besitz von sechs Heizkörpern, tatsächlich habe ich aber keinen einzigen, meine Wohnung verfügt über eine Fußbodenheizung. Fr. H. möchte wissen, wie meine Wohnung aussieht, denn ich sage ihr aufgrund des Ergebnisses meiner Kopfrechenaufgabe, dass ich eigentlich nur die Stromgebühren für meine Wohnung bezahlen möchte und nicht für den ganzen Ort.
Meine Version, dass ich mit meinem Harem von 74 Jungfrauen (oder sind es 73? Ich verzähle mich da desöfteren) in meinem bescheidenen Sommerpalast auf 35.000qm residiere, verkneife ich mir und beschreibe ihr meine Wohnung. Ich möchte mit ihr zwar nicht anbandeln, aber wenn sie mich schon fragt, breite ich auch gerne noch mein Privatleben, Familienstand etc. vor ihr aus.

Nach etwa fünfundvierzig Sekunden des Schweigens kommt von Ihr der Satz, der mir den ganzen Tag rettet, und der ging so: „Da muss sich jemand vertan haben“. Die Antwort ist korrekt, in Gedanken sehe ich sie im Fernsehstudio auf dem Stuhl sitzen, hinter ihr werden diverse pyrotechnische Effekte gezündet und Günther Jauch gratuliert ihr während eines Feuerwerkes zur entscheidenden richtigen Antwort.
Wir einigen uns darauf, dass die von mir bezahlten Beträge seitens E.ON zurückgebucht werden, der von mir zu zahlende Betrag neu berechnet und mir postalisch mitgeteilt wird. Ich kann mir den bissigen Kommentar nicht verkneifen, dass das nächste Schreiben der E.ON Vertrieb GmbH garantiert wieder eine Mahnung ist…

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