Auf Wiedersehen Rheinland, hallo Bayern!

19.15: Eintreffen in Düsseldorf. Es wird höchste Zeit, denn bum 19.30 beginnt das Boarding. Es ist arschkalt, aber immerhin gibt es ein Terminal, das sogar geöffnet und beheizt ist. Somit vergeht die letzte Viertelstunde wie im Flug.

Schlag halb Acht geht es los, ich lasse den Motor an und fahre los. Die ersten Meter sind eine Höllenqual, aber auch nur, weil ich den Fehler begehe, oben durch das Glasdach zu schauen. “Andere haben’s auch geschafft”, denke ich mir, schaue nach vorne und kurze Zeit später habe ich es geschafft. Mein Auto wird vertäut und ich steige aus. Die nächsten 90 Minuten nutze ich mit meinen Eltern zum Kurz-Shopping im Bahnhof. Einige wichtige Dinge habe ich vergessen einzupacken – ganz oben auf der Liste stehen Ohrstöpsel, denn man weiß ja nie, mit wem man sein Abteil teilt.

Noch in Ruhe einen Kaffee getrunken, eine Zeitschrift gekauft und dann ist es auch schon so weit: Der Zug rollt los, pünktlich auf die Sekunde. Bei der Deutschen Bahn eigentlich ein Wunder, folglich müsste der Papst den Zugführer heilig sprechen. Ich werde das beizeiten beantragen…

Auf mein Abteil ist neben anderen Personen unter anderem eine Frau gebucht, die entweder bei der Bundeswehr oder auf einer Krankenstation tätig ist, jedenfalls herrscht Zucht und Ordnung:

21.01 Abfahrt, 21.20 Licht aus und Ruhe. Die Fahrt ist entspannend, mit jeder Tour die ich mache wächst meine Begeisterung über den Nachtzug. Entspannter kann man wirklich nicht reisen und es ist sogar egal, wenn der Zug Verspätung hat, denn man liegt ja eh im Abteil und schläft.

Apropos Verspätung: Punkt 4:59h gibt’s einen gellenden Schrei von unserem weiblichen Oberfeldwebel, der jedoch in der Stille verhallt. Ich höre nur noch den Satz “Okay, dann halt auf die sanfte Tour”, denke mir noch “Tu’s bitte nicht”, aber da geht das Licht schon an. Verdammt, das tut weh in den Augen, und dann auch noch morgens um 5 Uhr. Egal, kurz darauf bin ich sogar ein wenig dankbar, denn die Bahn ist nicht nur pünktlich, sie trifft auch noch eine halbe Stunde früher in München ein als geplant.

Meine Befürchtung, die sich aus kurzen Blicken aus dem Fenster während der Fahrt ergeben hat, wird nicht nur erfüllt, sondern sogar übertroffen: Es liegt mehr Schnee als gedacht und so rutsche ich vom Zug runter bis zur nächsten Kreuzung. Von da aus geht die Fahrt dann in geplantem Tempo weiter und nach ein paar Kilometern habe ich mich auch an das Fahren im Schnee gewöhnt.

Die nächsten Stunden vergehen im Fluge: Ich erreiche Hallbergmoos mitten in der Nacht und gönne mir ein ausgedehntes Frühstück beim Bäcker, denn ich habe noch eine Stunde totzuschlagen, bevor meine Vermieter aufwachen. Dann räume ich mein Auto leer und mein Zimmer voll, steige in die S-Bahn und bin wenig später bereits in München.

Die nächsten Stunden verbringe ich damit ausgiebig durch die Straßen zu schlendern und an dem ein oder anderen Weihnachtsmarkt vorbeizuschauen. Als Fazit kann ich nur sagen: Auch wenn ich nie daran geglaubt habe und das auch wahrscheinlich nie wieder erleben werde, jetzt ist es passiert: Es ist Liebe auf den ersten Blick!

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