7. Tag, Mittwoch, 21.10.2009

LAMPANG FREIZEITODER DSCHUNGELABENTEUER

„Einige von uns mieten sich in der Lodge ein Fahrrad für einen Trip in die Umgebung, die anderen entspannen am Pool. Alternativ können wir Marut zu einer Elefantenaufzuchtstation begleiten. Die noch „halbstarken“ Dickhäuter werden hier auf ihren Einsatz in den Wäldern vorbereitet. Highlight des exklusiven Ganztagesprogramms: Im Mahout-Anzug reiten wir auf den Elefanten durch den Dschungel.“

 

Bereits im Vorfeld der Reise habe ich mich für die Elefantenaufzuchtstation entschieden, vor allem, da laut Marco Polo dieser Ausflug bis maximal fünf Wochen vor Reisebeginn buchbar sei. Okay, das stellte sich als Trugschluss heraus, denn der Ausflug konnte auch noch vor Ort gebucht werden.

Gleich zu Beginn bekommen wir im Thai Mahout College unseren Mahout-Anzug ausgehändigt. Dabei handelt es sich um eine blaue Stoffhose, bei der für mich auch eine Hälfte gereicht hätte, so muss ich die Hose halt zweimal um die Taille wickelt und verknoten. Passend zur Hose gibt es noch eine weit geschnittene Jacke. In unserer Arbeitskluft treten wir also die Ausbildung zum Mahout (einem Elefantenführer) an. Zunächst füllen wir die Application Form aus und bekommen eine theoretische Einweisung in die Befehle, mit denen wir uns mit den Elefanten verständigen können, denn die Elefanten verstehen nur Thai. Dann geht es auch schon los, jeder bekommt ein Tier zugewiesen.

Mein Elefant heißt „See Dor Yai“, was wohl so viel bedeutet wie „Big“ im Englischen. Er ist jugendliche 52 Jahre alt, die man ihm aber nicht ansieht, und sein Kampfname ist „Eating Machine“. Als ich ihn sehe, weiß ich auch warum: „Big“ ist hier im Sinne von „fett“ zu verstehen.

Wir üben zunächst gemeinsam die unterschiedlichen Möglichkeiten auf einen Elefanten aufzusteigen. Die Tiere verhalten sich äußerst kooperativ und helfen uns dabei. Nach eingehender Übung aller Möglichkeiten entscheide ich mich schließlich dafür den Elefanten höflich zu bitten, sein Haupt für mich zu senken. Mit einem souveränen Bocksprung gelange ich auf seinen Rücken. Nach einem laut gerufenen „Bai!“ setzt sich der Elefant in Bewegung und wir laufen Slalom zwischen den Bäumen, um später in Richtung Elefanten-Kindergarten aufzubrechen.

Es geht über Stock und Stein, durch Flusstäler, an Flüssen entlang, durch Flüsse hindurch, über Autostraßen. Als wir die Aufzuchtstation erreichen bin ich froh, denn mir tut alles weh.

Drei Jungtiere gibt es in der Station: ein elf Tage altes, ein vier Monate altes und ein zweieinhalb Jahre altes Elefantenkalb. Das vier Monate alte Tier ist sehr zutraulich, es greift mit seinem Rüssel alles, was irgendwie in Rechweite kommt – einer Japanerin klaut es beinahe die Handtasche. Ich trete ein Stück näher, das Tier zerrt an meinem

Grundaggressivität ist definitiv vorhanden, aber das ist wichtig, denn sie sichert das Überleben. Ich hege Rachegedanken und würde gerne den Elefanten vermöbeln, so dass er auf die Krankenstation eingeliefert werden muss, die wir noch kurz besuchen.

Später schauen wir uns eine Elefantenshow an, bei der die Mahouts alle möglichen Dinge vorführen, die wir zuvor ebenfalls erlernt haben. Zum Abschluss malen drei Elefanten je ein Bild, begleitet von einem weiteren Elefanten am Xylophon.

Ich finde es deprimierend, dass die Elefanten besser malen können als ich. Zur Aufheiterung meiner Person geht es wieder auf den Elefanten zu einem See, in dem wir mit den Elefanten schwimmen gehen.

Mir tut immer noch alles weh und den anderen aus der Gruppe geht es offensichtlich ähnlich. Auch wenn der Tag sehr viel Spaß gemacht hat, bin ich froh, dass es zurück zum College geht und wir unsere „Elefanten-Führerscheine“ ausgehändigt bekommen.

Auf dem Rückweg fahren wir einen Markt an, der alles mögliche verkauft: Von Gewürzen bis hin zu lebenden Tieren. Ein paar von uns decken sich mit Mehlwürmern, Maden und Heuschrecken ein, die wir als kleinen Snack zwischendurch verspeisen.

Um 18:30h sind wir wieder im Hotel und ich falle erst einmal in mein Bett.

Jetzt ist es 23:17h; nachdem wir im Restaurant noch zu Abend gegessen und ein wenig zusammengesessen haben, liege ich nach einem anstrengenden und aufregenden Tag im Bett. Erst jetzt, im Zustand der absoluten Entspannung, wird mir bewusst, dass eigentlich jeder Muskel meines Körpers laut Protest schreit ob der Strapazen des heutigen Tages. Auch wenn der morgige Tag aufgrund einer vor uns liegenden langen Busfahrt zunächst einmal entspannt sein dürfte, so hoffe ich dennoch, dass bis dahin der Schmerz nachlässt.

Gute Nacht Deutschland!

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