Menschliche Ignoranz par excellence

Es sind Tage wie der heutige, an denen ich mich verstärkt frage, was mit der Welt eigentlich los ist. Oder vielmehr: Mit den Menschen, die in dieser Welt leben.

Sind alle plötzlich Freaks geworden, die nur darauf aus sind, sich in ihre Löcher zurückzuziehen und jeglichen Kontakt zur Außenwelt zu meiden? Oder bin ich vielmehr in der Außenwahrnehmung ein Freak (geworden), den es auf jeden Fall zu meiden gilt?

Heute bin ich nach der Arbeit zum MediaMarkt gefahren, da mal wieder ein bis zwei Anschaffungen größeren finanziellen Ausmaßes auf dem Plan stehen. So begebe ich mich also direkt nach Betreten dieses Geschäftes in die entsprechende Fachabteilung, in der sich auch (man kann es kaum glauben!) gleich drei (!) Fachverkäufer befinden. Allerdings nur physisch, das muss ich einschränkend dazu sagen, denn abgesehen von ihrer körperlichen Anwesenheit sind sie miteinander in ein tiefes Gespräch vertieft, welches sie die Umwelt komplett ausblenden lässt. Nachdem ich nun also etwa eine halbe Stunde lang mehrere in Frage kommende Geräte intensiv studiert habe, mache ich auf mich aufmerksam, was zur Folge hat, dass ich mich plötzlich fühle wie ein Jäger, der durch einen Schuss die Vögel in den Bäumen aufschreckt: Wie von der Tarantel gestochen schrecken die drei Gestalten hoch, sondieren die Lage, stellen fest, dass ein Kunde mit dem Erwerb einer Ware droht, und schon sind die weg – in alle Himmelsrichtungen verstreut. Nachdem sich die Staubwolke gelegt hat, die durch die rasante Flucht der Verfolgten und Bedrohten entstanden ist, befinde ich mich wieder alleine in der Abteilung. Auch ich beschließe daraufhin zu gehen.

Ich verlasse den MediaMarkt und überquere die Straße. Auf der anderen Seite befindet sich nämlich ein Areal, auf dem neben einem Bürocontainer diverse Gebrauchtwagen stehen.

(Um Gerüchten vorzubeugen: Ich finde meinen Smart toll, dennoch kann es ja nicht schaden, sich auch einmal andere Fahrzeuge anzuschauen, getreu dem Motto: Appetit kann man sich draußen holen, gegessen wird aber zu Hause)

Während ich also durch die Gassen zwischen den unzähligen Autos entlang laufe, kommt mir ein Autohändler entgegen, der ein sich in seinen Händen befindliches Schriftstück studiert. Nach kurzer Zeit blickt er auf, sieht mich, kehrt auf der Ferse um und eilt zu seinem Bürocontainer, in dem er dann auch verschwindet. Nachdem sich die Staubwolke gelegt hat… (siehe oben).

Na gut, eigentlich wollte ich ja eh kein Auto kaufen, daher gehe ich (wie ich zugeben muss: mit einem leicht schlechten Gewissen) zurück zu meinem Auto und begebe mich auf den Heimweg.

Unterwegs muss ich an einer roten Ampel anhalten und als mein Blick durch die Gegend schweift, sehe ich links neben mir ein Möbelhaus. Da kommt mir folgender Gedanke: In meiner Wohnung, die komplett mit Möbeln in der Farbe „Klavierlack weiß“ eingerichtet ist, fehlt noch ein Bett. Es ist ja nicht so, dass ich keines hätte, doch die graue Farbe passt nicht wirklich zu den übrigen Möbeln. Ich biege also ab, fahre auf den Parkplatz und betrete das Möbelhaus.

Die Schlafzimmer befinden sich in der ersten Etage und als ich dort ankomme, bin ich dort der einzige Mensch weit und breit. Doch halt! Schräg links vor mir ist eine „Informationsinsel“ (geniales Wort übrigens!) aufgebaut, mit einem Computer, an dem sich zwei Fachberater befinden, die (Überraschung!) in ein tiefes Gespräch miteinander verwickelt sind. Ich möchte sie nicht stören, da sie sich bestimmt über hochphilosophische Themen unterhalten, also schaue ich mich zunächst ein wenig um. Während meines Rundgangs passiere ich zweimal besagte Informationsinsel, doch leider werde ich nicht fündig. Daher beschließe ich, mich in die Diskussion einzuklinken und das Für und Wider eines Klavierlack-weißen Bettes mit den beiden Herren zu erörtern. Ich denke, ich muss nicht erwähnen, dass ich plötzlich alleine bin auf weiter Flur, nur eine leichte Staubwolke ist stiller Zeuge: Es müssen hier einmal Menschen gewesen sein.

Auf dem Weg zum Ausgang komme ich an der Kasse vorbei. Ich frage die Kassiererin, ob ich das Parkticket bezahlen müsse oder ob sie mir selbiges abstempeln könne. Mit einem gequälten Lächeln antwortet sie, dass ich ja Kunde sei und daher selbstredend gratis parken dürfe. Als ich dieses Häufchen Elend dort sitzen und zu mir sprechen sehe, habe ich wieder ein schlechtes Gewissen, denn ich habe sie in eine äußerst prekäre Situation gebracht. Ich habe sie genötigt mit mir zu sprechen, denn selbst wenn sie gewollt hätte (was sie ganz bestimmt auch getan hat), hätte sie ihren Platz an der Kasse nicht fluchtartig verlassen dürfen.

Dass selbst die Sonne mich schon seit einigen Tagen ignoriert, muss ich wohl nicht mehr erwähnen…

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Ein Hauch von Menschlichkeit © 2014