Schuh-Kauf im Rheinland

D’r Kölner an sich ess jo aufgrund seiner Zujehörigkeit zur Spezies d’r Rheinländer bekanntermaßen tiefenentspannt.
De meisten Menschen nehmen dat höchstens an Karneval wohr, wenn se de berühmten Spruch „Drinks de ejne met?“ hören, de Erfahreneren kennen sogar dat jesamte kölsche Grundgesetz, obwohl ed jo korrekterweise dat „Rheinische Grundgesetz“ ess.

Und jetzt weiter auf hochdeutsch:
Ich bin ja gebürtiger und (was noch viel wichtiger ist) auch bekennder Rheinländer, gehöre somit folgerichtig grundsätzlich der tiefenentspannten Spezies an. So weit, so gut. Dass es jedoch in Köln selbst einmal passieren könnte, dass ich die Fassung verliere, hätte ich selbst niemals für möglich erachtet.

Wie es soweit kommen konnte?
Am Wochenende war ich in Köln, wo ich mich bereits vor Monaten unsterblich in ein Paar Schuhe verliebt habe.

shoesJa, auch Männern passiert so etwas. Da ich nun mal wieder in der Heimat bin und überdies die Geschäfte geöffnet haben, fahre ich nach Köln und stürme den Schuhladen.

Die Verkäuferin ist… naja, wohlwollend möchte ich es mal so zu formulieren versuchen:
Sie hat bestimmt Qualitäten, die den Filialleiter überzeugt haben, sie einzustellen. Diese lerne ich bei meinem Besuch der Lokalität nicht kennen, jedoch kann ich mit Bestimmtheit sagen: Freundlichkeit und Motivation gehören nicht dazu.

Ich betrete den Laden, fahre mit der Rolltreppe ins Untergeschoss und stehe inmitten einem wahren Paradies – im Gegensatz zu den gewohnten Herrenschuhabteilungen, die meist aus ein paar Alibi-Schuhen irgendwo im Eck eines riesigen Damenschuhladens bestehen, sehe ich hier Herrenschuhe, so weit das Auge reicht. Das stimmt mich optimistisch. Doch dann betritt die Verkäuferin die Bühne. Sie fragt, ob sie helfen könne, ich sage, ich wolle mich erstmal umschauen. Sie zieht ab. Ich schaue mich um. Irgendwann entdecke ich den Schuh meiner Begierde, probiere ihn an, er passt nicht. Ich frage die Verkäuferin, ob sie mir helfen könne und bekomme zur Antwort: „Ich habe Sie doch eben schon mal gefragt, aber da wollten sie ja nicht“. What the F*ck? Im Geiste entschuldige ich mich bei ihr, schüttele den Kopf und bestehe trotzdem auf ihrer Hilfe. Der Schuh wird aus dem Zentrallager geordert, das dauert zwanzig Minuten.
Was macht man in so einer Zeitspanne? Richtig, weitershoppen.

Ich schaue mich also weiter um und entdecke ein weiteres Paar schöner Schuhe, auch diese passen nicht, ich bekomme die richtige Größe von der Verkäuferin gebracht, öffne den Karton und stelle fest, dass ein Schuh hellbraun ist, der andere rotbraun. Der Farbunterschied ist nun wirklich nicht zu übersehen.
Ich spreche die Verkäuferin darauf an und was sagt sie?

„Das ist gefärbtes Leder, da kommt das schon mal vor. Und außerdem: Bei dem Preis können Sie das nicht anders erwarten.“

Ich lasse das mal unkommentiert so stehen und wünsche dem Schuhhaus Kämpgen für die Zukunft ein glücklicheres Händchen bei der Auswahl der Mitarbeiter!

Abschließend möchte ich noch den elften Artikel des Rheinischen Grundgesetzes zitieren:

Do laachs de disch kapott!

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