Vapiano Theatinerstraße, oder: Wie werde ich ihn los in 70 Minuten?

Nachdem ich heute den ganzen Tag in München gebunden und somit abends zeitlich knapp dran gewesen bin, habe ich mich entschieden, schnell ins Vapiano an der Theatinerstraße essen zu gehen.

Für den geneigten Leser, der das Vapiano nicht kennt:

Es handelt sich um eine international verbreitete Schnellrestaurant-Kette, die jedoch nicht mit Fastfood-Restaurants gleichzusetzen ist. Vapiano ist vielmehr eine Fusion von Restaurant und Bar, intelligent verpackt in einem schicken, loungigen und trendigen Ambiente. Die Speisenauswahl ist vielfältig, umfasst sie doch alle nur denkbaren Varianten von Pasta, Pizza und Insalata.

„Entspannte Atmosphäre, mediterrane Leichtigkeit und südländische Lebensfreunde: Ein Besuch im Vapiano ist wie ein Besuch zum Essen bei guten Freunden“, so drückt es das Unternehmen auf seiner Internetseite aus. Von meinen bisherigen Vapiano-Besuchen in Düsseldorf, Duisburg, Köln, Stuttgart, Nürnberg und Wien kann ich das soweit bestätigen.

Soviel zur Theorie, es folgt die Praxis. Wie gesagt, ich habe wenig Zeit, als ich im Restaurant eintreffe ist es 17.45h, um 19.00h muss ich am Prinzregententheater sein (dazu später mehr). Unmittelbar nach Betreten erhalte ich die Chipkarte (erhält jeder beim Betreten, sämtliche Speisen und Getränke werden darauf verbucht und beim Verlassen des Lokals bezahlt) und bin zunächst beeindruckt vom Interieur: Es ist riesig, schick und offen gestaltet. Im Erdgeschoss befindet sich eine Bar mit Loungesesseln und einem Ethanol-Wandkamin, die Treppe führt auf die Galerie, wo sich die Küche und das Restaurant befinden. Es ist nicht wirklich voll, ich würde grob schätzen, dass ich um 17.50h nach getätigter Bestellung an der Galerie sitze (mit dem Rücken direkt zur Sektbar).

Vor mir steht ein Tablett mit Besteck, einem Glas, einer Flasche Arizona Pomegranate Ice Tea und einem futuristisch anmutenden Sender (Star Trek-Fans sei gesagt: Es sieht nicht nur aus wie ein Phaser, es blinkt auch genauso. Nur auf Leute schießen kann man damit nicht. Leider, wie sich später noch herausstellen wird).

Mir wird von den Köchen gesagt, dass ich mich „ganz entspannt hinsetzen“ soll, dieser Sender würde mir schon mitteilen, wenn meine Pizza fertig sei – wenn das Blinklicht seine Farbe von grün auf rot ändere, könne ich meine Bestellung abholen. Es tut sich… nichts.

Ich muss zugeben, dass ich nach einer gewissen Zeit doch nervös werde, denn immerhin haben sich in der Zwischenzeit schon zwei Pärchen nacheinander (!!!) neben mich gesetzt, ihre Pasta verzehrt, haben noch einen Wein getrunken und sind bereits wieder verschwunden. Und mein Phaser blinkt noch immer grün, das Drecksding!

Während ich noch überlege, was ich jetzt tun soll, fällt mein Blick auf die mir gegenüber liegende Wand, auf der groß das Motto des Restaurants prangt: »Chi va piano, va sano e va lontano«. Ein Blick auf die Internetseite (kann ich ruhig machen, ich habe ja eh nichts zu tun, außer auf meine Pizza zu warten) offenbart dazu folgendes:

„»Wer alles im Leben locker und gelassen angeht, lebt gesünder und länger«, so ein italienisches Sprichwort. Und genau dieses Lebensgefühl wird tagtäglich in unseren Restaurants gelebt – von unseren Gästen und von unseren Mitarbeitern, den Vapianisti.“

Gut, bleib ich halt locker und gelassen, denk ich bei mir, nachdem ich aber nun schon geschmeidige fünfzig Minuten vor diesem penetrant grün blinkenden Gerät sitze, reicht es mir und ich schreite zur Tat: Ich drehe mich auf meinem Stuhl um, stehe auf, laufe die (grob geschätzten) zehn Meter zur Theke und frage, was denn nun mit meiner Pizza sei. Es tut mir ja schrecklich leid, aber: Auch wenn sich das Gericht „Pizza L’Acacia“ nennt und eine recht individuelle Zusammenstellung von Zutaten aufweist (luftgetrockneter italienischer Schinken, Feige, Akazienhonig, Tomatensauce, Mozzarella) – es ist NUR EINE PIZZA!!! Echt mal, so lange kann das ja wohl nicht dauern, zumal es ja nicht die erste Pizza ist, die man in diesem Lokal zubereitet. Der Koch weiß nichts von meiner Bestellung, die Kleine neben ihm flüstert ihm halblaut ins Ohr „Das ist doch die Pizza wo Sie … ach, ich weiß es auch nicht mehr…“ und verschwindet. Der Koch sagt betreten „Ihre Pizza ist in 10-15 Minuten fertig“, ich bekomme Puls und meine rechte Halsschlagader sagt der Außenwelt „hallo“, gerade möchte ich zu einer Wutrede ansetzen, entschließe mich dazu, den Koch lieber mit dem Phaser in meiner Hand zu beschießen, das Drecksding lässt mich bitter im Stich, ich drehe mich also um und gehe zurück zu meinem Platz.

Jetzt muss erwähnt werden, dass zwischen dem Aufstehen von meinem Platz und der Rückkehr zu eben jenem nicht einmal eine einzige Minute vergangen ist. Dennoch ist mein Platz sprichwörtlich verschwunden: Mein Tablett ist weg, die lange Tischplatte, die entlang der Galerie angebracht ist, ist blitzblank gewischt – einzig mein Mantel, der zusammengefaltet auf dem Hocker liegt, auf den ich ihn bei meiner Ankunft abgelegt habe, ist stiller Zeuge meiner bisherigen Anwesenheit. Ich drehe mich um und schaue den Angestellten hinter der Sektbar an. Er vereinigt alle drei Affen in einer Person: Er hat nichts gehört, nichts gesehen und sagt daher auch nichts. Ahnung hat er auch keine von seinem Job, denn ich bestelle (um meine Nerven zu beruhigen) eine Tasse Darjeeling und bekomme einen Earl Grey (dazu sage ich jetzt mal nichts). Immerhin bekomme ich eine neue Flasche Eistee; Tablett, Besteck und Glas muss ich mir selber holen. Was für ein Service!

Der Phaser wechselt seine Farbe, meine Pizza scheint also wirklich fertig zu sein. Stramme Leistung, immerhin ist es ja auch erst eine Stunde her, dass ich das Lokal betreten habe. Es ist mittlerweile also 18.45h, um 19.00h muss ich am Theater sein, von dem mich etwa fünf Minuten Fußweg und weitere fünf Minuten U-Bahn-Fahrt trennen. Na dann mal: Mahlzeit!

Nach einem entspannten zehnminütigen Mahl verlasse ich nach 70minütigem Aufenthalt zum wahrscheinlich letzten Mal in meinem Leben ein Vapiano Restaurant und bin pünktlich um 19:05h am Theater.

Fazit: Erlebnisgastronomie neu definiert!

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